Don’t touch me, you’re a dirty hippie and you don’t get punk at all.

Briefkästen

(Der Titel entstammt diesem Bildchen aus der Serie „Portlandia“ mit Carrie Brownstein.)

Ich habe großen Respekt vor Zeitungs-Journalismus. Ich lese sehr gerne diverse Zeitungen, wuchs in einem Haushalt mit Tageszeitung auf und ich werde wohl auch – sobald ich mir die Kosten dafür mit jemand teilen kann – auch wieder eine Zeitung abonnieren. (Für mich allein lohnt sich das nicht).

Was mich aber nervt ist eine gewisse doppelte Penetranz, die in meinem Heimatland in der Zeitungsvermarktung steckt. Zum einen wird das eigene Medium überhöht bis ins unermessliche und mindestens ein Armageddon heraufbeschworen, wenn man nicht mindestens drölf Zeitungen abonniert. Das Abendland wird nicht untergehen, wenn die Bildzeitung endlich eingestellt wird. Genau so wenig, wie das Abendland untergegangen ist, als neulich die FTD eingestellt wurde. Dieses sich selbst zu wichtig nehmen ist eine Eigenschaft, die mich an vielem stört, darunter auch Zeitungen. Wie soll man jemanden ernst nehmen, der einen unentwegt schüttelt und ruft „Wenn ich verschwinde geht die Welt unter!!“? (Dazu zählt natürlich auch das LSR, auf das ich gar nicht mehr eingehen möchte.=

Viel präsenter und unangenehmer ist aber die andere Penetranz, mit der eine bestimmte Ansicht vertreten wird. Nicht nur sehen sich Zeitungen als unerlässlich und unverzichtbar, nein, sie sprechen mir als potenziellem Leser auch ab, mich selbst für sie zu entscheiden.

Anders lässt sich nicht erklären, warum gerade (beispielsweise!) Die Zeit und die SZ mir immer wieder in Form von unterbezahlten studentischen Verkaufspersonen im Bahnhof auflungern, um mich zu greifen und um mir ein Abo zu verkaufen. Wenn man es nur schafft, relevant zu bleiben, in dem man einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung ununterbrochen auf die Nerven geht, dann sollte man vielleicht lieber würdevoll abtreten. Eine Zeit und eine SZ, die nur deshalb überlebensfähig sind, weil sie sich einem Kredithai gleich in jeden meiner Lebensbereiche zu drängen versucht, ist kein Medium mehr, dem ich bei der Vermittlung von Informationen trauen möchte. Ein Unternehmen, das regelrechte Mafia-Methoden anwendet – wenn auch möglicherweise im „Überlebenskampf“ – wird von mir nicht unterstützt werden. (Weshalb ich wohl kein SZ, Zeit oder (aus anderen Gründen) Welt-Leser werde).

Jemand, der sich an einem Plastik-Stand in einem Bahnhofsgebäude (oder schlimmer noch: Im Supermarkt) davon überzeugen lässt, eine Zeitung zu abonnieren, der ist für mich kein Zeitungsleser. Aber vielleicht wollen SZ, Die Zeit und – bedauerlicherweise die örtliche Tageszeitung – Schwäbisches Tagblatt auch gar keine Leser mehr. Vielleicht wollen sie lieber Manipulierbare.

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