Dem Leibniz sein Keks.

Das Begriffsgeschichtlich sich „Keks“ vom Englischen „Cake“ ableitet, ist vermutlich bekannt. Wer das zu uns brachte vielleicht weniger: Hermann Bahlsen – ja, der von „Bahlsen“ – arbeitete als Händler in England und brachte von dort die Idee und das Wort „Cake“ mit, weshalb er die „Hannoversche Cakesfabrik“ im Jahr 1889 gründete und fortan Gebäck in Verpackungen verkaufte, die man z.B. auf Reisen ganz gut essen kann.

1892 verkaufte Bahlsen erstmals eigene Butter-Cakes. Die Idee stammt wohl aus Frankreich, wo es schon einige Jahre zuvor Butterkekse gegeben hat. Für die Bezeichnung Butterkeks muss auf 100 kg Getreideerzeugnisse 10 kg Butter (oder ein entsprechender Ersatz) kommen. Nur, falls das nicht klar war…

Jedenfalls brauchte Bahlsen noch einen Namen für seine Butter-Cakes. Er wählte „Leibniz“ in Ehrerbietung des berühmten Philosophen, Mathematiker, Hofbibliothekar und Oberaufklärungshelden Gottfried Wilhelm Leibniz. Bis zum heutigen Tage hatte ich stets angenommen, der Erfinder oder wenigstens Gründer der ersten Keksfabrik hätte so geheißen oder die Butterkeksfabrik „Leibniz“ wäre feindlich-übergenommen worden vom Bahlsen-Kozern, stimmt aber alles nicht. Es ist in Wirklichkeit diese Verneigung vor einem der wichtigsten Gelehrten der Aufklärung, was eigentlich ein ganz nettes Diskussionsthema wäre, wenn man denn mal beim Kaffee zusammensitzt und Butterkekse isst. Natürlich ist das jetzt nicht ungewöhnlich für die Jahrhundertwende, Produkte nach Prominenten zu benennen. Beispiele hierfür wären Bismarckheringe oder Mozartkugeln. Eventuell könnte man noch über das TET-Logo Bahlsens sprechen, was ja die Hieroglyphe für Ewigkeit ist und auf die lange Haltbarkeit anspielen… ja.

Ich persönlich unterhalte mich bei Gebäck ja eher über die Frage, ob die No-Name-Butterkekse von „ja!“ (REWE, in Plastik-Plastik-Papier) oder von „Gut & Günstig“ (EDEKA, in Plastik, Papier, Papier) für ihre 99ct für 400g besser sind. In allen damit zusammenhängenden Aspekten und… Ja, weiter im Text.

Den Kunden jedenfalls schmeckten diese Kekse ganz wunderbar, nur hatte man Probleme mit dem Wort „Cakes“. Kak-es? Kake’s? Ka-kés? Hm… Wir alle wissen, dass der deutsche Mund zwar gerne Süßes in sich hinein stopft, die Worte, die ihm entfleuchen, aber meist etwas versalzen klingen. So sprach man von „Cakes“, wie es geschrieben wird, was… ja. Ich denke, Sie haben jetzt auch so eine lebhafte Vorstellung von Leuten, die Gebäck zu kaufen versuchen: „Sie, ich hätte gerne diese … diese … Butter-Kakes von Leibniz.“ Kaum auszudenken, wie das noch im Dialekt geklungen haben mag. Ähnlich schlimm wird es nur, wenn ich mit meiner schwerfälligen, deutschen Zunge das schwedische Krümmelmonster benennen möchte. Das heißt nämlich „Kakmonstret“. Äh… ja. Die Assoziationen sich auch erstmal falsch…

Um diesem Dilemma ein Ende zu machen benannte Bahlsen seine Butter-Cakes in „Butterkekse“ um, was dann als „Keks“ dann auch endlich 1911 im Duden landete und alle waren zufrieden. Außer vielleicht der „Verein Deutsche Sprache“, aber der kämpft ja glücklicherweise erst seit 1997 gegen böse böse Anglizismen.

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