Gesperrte Videos als deutsches Kulturgut [mit Anzeige]

Neuerdings geistert ein Werbevideo der WWF durchs Internet, dass das uns so bekannte „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ auf vom Aussterben bedrohte Tiere überträgt. Hier beispielsweise Nashörner (Anm. Das ist ein Werbevideo, für dessen Ansehen ich mit 6 Cent pro View vergütet werde. Bei YouTube gibts das gleiche Video ohne Werbeeinnahmen für mich):

Interessant daran ist ja vor allem, dass diese Sperrbilder, die die Gema natürlich nicht so lustig findet, offenbar derart in unsere Kultur Fuß fassen konnten, dass man damit nun auch um Unterschriften werben kann. Vielleicht – vielleicht! – gilt Deutschland im Ausland bereits als das Land mit der blockierten Internetkultur. Vielleicht ist die Sperrtafel „In deinem Land nicht verfügbar“ eines der letzten deutschen Kulturgüter, die man wirklich mit unserem Heimatland verbinden kann.

Dabei ist unser Leben längst: International!

Was fehlt ist eine Verwertungsgesellschaft für Aufführungsrechte und Gedöns, die Weltweit operiert. Die Gema, die sich an unsere Landesgrenzen hält, ist nicht vereinbar mit einer Kultur, die längst internationaler ist als jeder Sportfreunde-Song. Werbebugets sollten nicht an Landesgrenzen gebunden sein und wenn ich mir auf der AMC-Webseite die Preview zur neuen The-Walking-Dead-Folge ansehen will sehe ich stets eine Sperrtafel, die mir dieses komische Gefühl von Heimat aufdrängt, dass ich doch zu gerne gegen meine Lieblingsserien eintauschen würde.

Stellen Sie sich nur einmal vor: Anstatt über zwielichtige Quellen sich eine US-Serie anzusehen, schauen die Leute sie über die Internetseite der Fernsehsender völlig legal und sorgenfrei und sehen dabe vielleicht 7 bis 8 kurze Werbespots, die eine Menge Geld in die Kassen der Fensehsender spülen würden. Tatsächlich sah ich heute morgen eine Folge How I met your Mother über die Webseite des Senders (mittels Proxy) und erfreute mich regelrecht an der Werbung. Andererseits fragte ich mich auch, ob ich nicht etwas noch viel schlimmeres tue, weil ich als Kunde ja für die Werbeindustrie überhaupt nicht interessant bin (waren 2 Spots für US-Only-Produkte, 1 Spot für ein Auto und einer für ne Brause.) Was dazu fehlt ist eigentlich nur ein Vermarkter, der Unternehmen findet, die bereit sind, auf US-Fernsehsender-Webseiten bei deutschen internationalen Sehern für Produkte zu werben.

Aber vielleicht gehört dieses Gefühl nicht eingeladen zu sein auch inzwischen zum bundesdeutschen Selbstverständnis.

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