Die Marken haben gewonnen.

Müsste ich ein YouTube-Video aussuchen, dass die Probleme unserer Konsumgesellschaft in wenige Minuten fasst, dann wäre es mir heute begegnet. Ich weiß gar nicht wie und warum ich heute auf das „L.A. Beast“ gestoßen bin, aber ich sah einige seiner Videos und wie er dämliche Sachen vor der Kamera tat und teilweise erbrach (wie im unteren Video), oder sich verletzte und … dann macht er einfach weiter. Redet dummes Zeugs. Ich hoffe ja, dass sich hier jemand lustig machen möchte. Ich hoffe, das LA-Monster ist ein Schauspieler und sein Erbrochenes nur Filmkotze, aber die Grenzen zwischen schlimmer Realität und schlechtem Schauspiel sind heute so undurchsichtig wie… eine Pepsi Cola.

Kevin Strahle, so heißt das „L.A. Beast“ aus New Jersey wirklich, kaufte sich für 80 $ eine Flasche Crystal Pepsi aus dem Jahr 1993. Das Video, wie er in Nostalgie schwelgt für diesen Gegenstand seiner Kindheit, ihn dann sehr schnell trinkt und dann auf den Tisch wieder erbricht erreichte bis zum heutigen Tag über 400.000 Zuschauer. Er kommentiert sein Erbrechen dann mit den Worten „Oh boy. Oh boy. That was fucking awesome.“ referierend auf den Geschmack des gerade erbrochenen Crystal Pepsi.

Wie ich so vor meinem Rechner sitze und er leiste brummt, brumme ich zurück. Habe ich mir gerade wirklich ein Video angesehen, in dem ein Kerl vielleicht in meinem Alter, vermutlich ein wenig Älter, ein Markenprodukt als Dingsymbol seiner Kindheit sieht und selbst deren Erbrechen als „fucking awesome“ bezeichnet? Haben die Markenstrategen nicht gewonnen, wenn ich bei der Vergangenheit mich nicht an die warme Sommerluft, die frischen Blätter eines Baums und die Späße meiner Freunde erinnere, sondern an den Geschmack von Vanilla Coke?

Aber ich handle ja genau gleich – nur auf einem anderen Level. Ich schreibe hier über die Frage, ob „ja! Butterkekse“ besser sind als die von „Gut & Günstig“. Es geht doch hier nicht mehr um Inhalte. Es geht um Produkte. Was habe ich nur aus dieser Welt gemacht? Wenn ich gehe, irgendwann, dann ist durch meines Zutun – oder Unterlassen – die Welt ein noch viel schlimmerer Ort geworden. Und selbst würde ich mich raushalten, würde Produkte, Marken und Händler boykottieren – würde z.B. nicht mehr bei Amazon einkaufen -, dann wäre trotzdem das ölige Blut vom Verenden der Erde an meinen Händen. Weil ich eben nichts getan habe, um sie zu retten, sondern nur daneben stand, und zusah und nichts tat. Das Unheil wendet sich nicht ab. Das Unheil wendet sich nicht ab.

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