Here comes the bus.

2010 erschien Quentin Dupieux‘ Rubber, ein Lobgesang auf die Willkürlichkeit des Kinos, ein Film, in dem ein Gummireifen umher rollt und Menschen mit seinen Kräften tötet. Ein verwirrender Film, dem seine Möchtegern-Tiefsinnigkeit aus allen Bildern tropft und zu recht als „episch schlecht“ bei Amazon bezeichnet wird.

Die Willkür mancher Ereignisse – z.B. Warum schreibe ich jetzt diesen Blogeintrag? – wird tatsächlich viel zu wenig gewürdigt. Aus diesem Grund liebe ich Supercuts und das Internet. Ersteres sind Zusammenschnitte ähnlicher Szenen meist aus Filmen. Zweiteres wahrscheinlich der Grund, warum wir uns irgendwann gegenseitig ausrotten werden. (Yeah!)

Einer der Großmeister des Supercuts – Harry Hanrahan – schnitt Anfang vergangenen Monats eine Vielzahl von Filmszenen aneinander, in denen Menschen überraschend von (überwiegend) einem Bus überfahren werden. Hit by a bus* versammelt eine Großzahl großartiger vom-Bus-angefahren-werden-Szenen, darunter das bezaubernde Finale der Geschichte aus Stranger than Fiction und natürlich Edith Keelers Tod in der Star-Trek-Folge City on the Edge of Forever. Was sagt uns dieser kleine Film? (Nach dem Klick)


Warum werden die Menschen von Bussen überfahren? Willkür. Warum treten sie auf die Straße? Willkür. Warum schauen sie nicht, ob da jemand kommt? Willkür!! Ebenso gut hätten sie auf einem Skateboard ausrutschen können und in einen Stand voller Melonen fallen. Oder auf einem gebrauchten Kondom nach Chinatown schlittern. Und dort hätten sie mit einer Träne Feuerwerkskörper versehentlich entzündet. Vielleicht wären sie auch in der Zeit zurück gereist und mit ihrer eigenen Mutter ausgegangen. Jedenfalls…

Die Welt ist voller Willkür. Nichts geschieht mit Grund. Wenn ein Nihilist seiner Freundin nen Zeh abschneidet, um Geld zu erpressen und das nicht funktioniert, weil dein waffennarrischer Freund die ganze Geldübergabe-Sache versaut, dann ist das ziemlich willkürlich, dass der abgeschnittene Zeh von diesem Fuß und nicht dem anderen stammte. Wenn ich morgens nicht aus dem Bett komme (wie der Captain), dann hat das keinen Grund, und wenn doch, dann gibt es keinen Grund für diesen Grund.

Vor einigen Jahren sah ich zufällig den damaligen Gaming-Fernsehsender Giga. Einer der Moderatoren erzählte davon, dass er gerne einen Film sehen würde, in dem ohne Grund an unterschiedlichen Orten ein Bus auftaucht. Der Titel sollte „Here comes the bus“ lauten. Als ich heute – wieder, rein zufällig – den obrigen Supercut sah, erinnerte ich mich an diese Worte und fühlte eine tiefe innere Befriedigung.

Alles, was geschehen soll, wird geschehen. Notfalls mit Hilfe des Internets.

Reine Willkür, verständlicherweise.

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