Eine Liste von Tatsachenbehauptungen, die pornografische Werbeanzeigen auf Videoseiten anstellen

Vor einigen Wochen wollte ich einen Film sehen, weshalb ich mich ohne Werbeblocker in die Fänge der Content-Klauer begab. Vor allem zeigten sie mir eins: Titten.

Eine unvollständige Liste. Ohne Sortierung. Kommentierungen in kursiv.

Auch häßliche Frauen wollen Sex.

Heißt das: Auch dünne Menschen müssen essen?

Dumme Frauen aus deiner Nähe ficken jeden!

Offensichtlich sind diese Frauen dumm, wenn sie jeden ficken.

Häßliche Frauen brauchen auch einen Schwengel! Warum für Sex bezahlen?

Hihihihi … Schwengel.

Frauen aus Grosselfingen wollen mit Dir intim werden, aber nur nach den folgenden Regeln…

Wo in aller Welt ist Grosselfingen?!

Nutten aus deiner Stadt wollen ficken!

Und Bäcker aus meiner Stadt wollen backen?Natürlich wollen die das! Damit verdienen sie ihr Geld! Wenn sie das nicht machen, dann … verhungern sie. Oder suchen sich einen anderen Beruf. Herrje!

XY aus [Stadt in deiner Nähe]

Schüchterne Mädchen wollen auch ficken! – Jetzt kannst du endlich einen Sexfreund bekommen.

Leider geil: Geblasen im Zug

Alleinerziehende Mutter braucht Schwanz

Hey Süßer, ich bins, Fiona,…

Wie sind eigentlich die Apostrophregeln in diesem Fall? Ich bins oder ich bin’s?

Ich bin immer geil.

Damit sollten Sie mal zum Arzt gehen.

Sex4Jobs – Hilf mir und ich ficke dich.

Hätte ich einen Job könnte ich Filme kaufen, bevor ich weiß, ob sie mir gefallen.

„Jetzt online“

Ficke zwei Schlampen täglich.

Uff.

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Ergänzungen gerne in die Kommentare / per Mail.

Die durch derartige Werbeanzeigen konstruierten Frauenbilder (alle sind Schlampen, Nutten oder „schüchtern“. Niemand hat Akne, Erektionsstörungen oder einfach keine Lust. Niemand ist ungeschminkt.) zerstören uns. Interessant dabei auch, dass praktisch keine Frauen angesprochen werden sollen. Patriarchat, ich hör dein Bier ploppen.
Diese Überflutung an sexuellen Botschaften macht die tatsächlichen Botschaften, die wir in unserem Leben erfahren, so… unwirklich. Gewöhnt daran, derartiges zu ignorieren, stehen wir eines Tages alleine in einer Bar und wundern uns, warum wir alleine sind. So, wie die Junge Dame, die einem Atemzug gleich Verehrer abwehrt, sich eines Tages fragt, warum sie noch alleine ist. Wir gewöhnen uns daran, zwischenmenschliche Angebote abzulehnen, weil sie uns in Massen in eben solcher Werbung widerfährt. Als Reaktion darauf verstärkt die Werbewirtschaft ihre Anzeigen. Charlie Brokers „15 Million Merits“ (Black Mirror) scheint lediglich 10 Minuten entfernt.
Eine Kultur an einem solchen Punkt – in der alles zur Pornografie verkommt – kann eigentlich nur untergehen.

Und die Ironie dabei: Die Pornoüberflutung rührt nicht aus dem Willen heraus, Pornografie zu konsumieren, sondern Kulturgüter. Größtenteils Kulturgüter, die längst frei(er) verfügbar gemacht werden könnten.

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