Push it back!

Mein Seriengeschmack ist ebenso schlecht wie unerbittlich. Was mir gefällt kann ich rational nicht erklären, ich fühle es einfach tief drin, dass gerade etwas gutes passiert. Zum richtigen Zeitpunkt verbringe ich auch mal eine ganze (Studien-!) Woche damit, Breaking Bad zu schauen (jaja, schnarch).
Dabei gehöre ich zur nervigsten Sorte der Serienschauer, die felsenfest behaupten, Früher™ sei alles besser gewesen und dann uralte Serien ausgraben und die Leute beim ersten Sichten so tief anstarren, dass sie dabei eine Bleischürze tragen sollten, um strahlungsbedingte Folgeerscheinungen zu vermeiden. Ich drifte ab.

Eine dieser Serie, die ich nun schon seit der deutschen Erstausstrahlung einem heiligen Gral gleich vor mir her trage, ist Pushing Daisies. Eine Serie, so zuckersüß und lecker, wie ein perfekt gebackener Kuchen. Die perfekte Mischung aus Herz-Schmerz, Krimi und Irrsinn. Eine an den Haaren soweit hergezogene Geschichte, so perfekt vorgetragen und inszeniert, dass ich immer noch Tränchen weg drücken muss bei der ein oder anderen Szene.

Als ABC die Serie damals einstellte hieß es, es würde einen Comic geben. Das Ende war zwar gut, aber jeder Serienfan kennt das schreckliche Gefühl, aus der Serienwelt in die eigene Zurückkehren zu müssen, weil man noch auf die nächste Folge warten muss. Dieses kleine Sterben, ohne die Aussicht auf Wiedergeburt in der nächsten Woche, ist vermutlich die schlimmste Folter, die verwöhnte Westeuropäer – die wie ich kaum auf Demos gehen – ertragen müssen.

Die Geschichte kann darf nicht aufhören.

„Watching television shows doesn’t create psycho killers
– canceling TV shows does!“
(Scary Movie)

Deshalb twittern Leute noch heute Kurzplots für Seinfeld-Folgen. Deshalb gibt es Millionen von Fan-Foren, von Star-Trek-Conventions und tonnenweise (ein Kritiker würde „mülltonnenweise“ sagen) Fanfiction. Und wo Leute – endlos – auf etwas warten, da brodelt die Gerüchteküche.

Pushing Daisies sollte in Comic-Form vollendet werden. So hieß es damals™. Daraus wurde… nichts*. Bryan Fuller, der Macher der Serie, deutete dann irgendwann auch ein Musical an, und sinnierte über die Möglichkeit der Verfilmung oder einer Mini-Serie. (Mehr bei Wikipedia)


Nun, da Veronica Mars mit Kickstarter (hoffentlich) zu einer Verfilmung durchstartete, ist auch Pushing Daisies wieder im Raum. Als hätte das Internet die magischen Finger des Kuchenbäckers. Wen wir für das Revival sterben lassen? Darauf haben wir keinen Einfluss. Zufall. Aber wenn: Wie wäre 2 Broke Girls oder nach der gefühlt zweimillardensten Staffel Grey’s Anatomy? Two and a half men würde von der Absetzung sogar profitieren. Sowie alle Fernsehbesitzer und alle, die Menschen kennen, die einen Fernseher besitzen. Daneben finden sich sicher noch andere Serien. Wenn es sein müsste, gäbe ich auch den Tatort her.

Jedenfalls. Der kleine Schimmer am Horizont, der Hoffnungen macht, die vermutlich eh nur wieder enttäuscht werden, der ist gerade™ da.

*Es gab sehr wohl ein paar Seiten aus den geplanten Comics zu sehen. Dieses bezaubernde Tumblr sammelte diese Comic-Seiten nicht nur – HIER -, es drückt auch ziemlich genau aus, wie ich mich nun fühle. Bei Buzzfeed gibts außerdem ne nette Sammlung mit Bildern/Gifs aus der Serie anlässlich des – Achtung, Schenkelklopfer! – Pi-Days neulich.

2 Antworten auf „Push it back!“

  1. Ich sehe nicht mit einem melancholischen Blick zurück. Ich bin der Überzeugung, dass wir in einem goldenen Zeitalter für großartiges Fernsehen leben. Ich vermisse es, jede neue LOST-Folge zu schauen und diskutieren, aber gleichzeitig gibt es einen stetigen Fluss an neuen, interessanten Sendungen. In der Tat gibts so viel gutes Aktuelles, dass ich kaum Zeit habe, leicht ältere Sachen nachzuholen – mein My So-Called Life DVD-Set liegt schon seit einem halben Jahr ungeöffnet im Schrank.

    Dass Veronica Mars dank des Kickstarters in einen Film verwandelt wird ist natürlich eine große Nachricht. Ich bin gespannt, ob das Gang und Gebe werden kann oder ob das bloß gelang, weil es die erste Serie ist, die es erfolgreich gemacht hat – jetzt versuchen das natürlich viele Sendungen, und das breit auffächern der Spenden ist sicherlich nicht förderlich.

    Wenn ich persönlich mal wieder mich nach LOST sehne, lese ich mir Rezensionen der besten Episoden (wovon es viele gibt) oder Best-Of-Listen von irgendwas (Charaktere, Figuren, Tode, etc.) durch. Damit bin ich dann meist stundenlang beschäftigt. Ob für Pushing Dailies da so viel Material im Web vorhanden ist kann ich allerdings leider nicht sagen.

  2. Einen richtigen Ersatz habe ich bisher noch nicht gefunden und es gibt noch viele Sachen, die nicht abgeschlossen sind. Zumal es immer sehr deprimierend ist von Autoren zu hören, die ihre Kunstwerke nicht vollenden durften, weil ihre Serien nicht fortgesetzt wurden.

    Mal schauen, wie sich das entwickelt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf.

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