Warum soll man die Leute mögen?

Ich kann mit dem Sommer nichts anfangen. Ja, es ist unkreativ heute über das Wetter zu klagen, und ich will mich auch gar nicht beschweren, wenn ich bei jedem Wetterumschwung erstmal krank werde. Das heißt, … doch. Es nervt mich, und jetzt, wo ich nicht in meine beschauliche Heimatstadt zurückkehren kann, in der es um diese Zeit nur Säufer und Rentner gibt, sondern das Sommersemester in meiner überfüllten Universität verbringen werde, nervt es mich noch mehr. Könnte ich mich einschreiben für eine Weltraummission, zu der ich 50 Jahre in Tiefschlaf versetzt werde, um dann auf einem Planeten voller sprechender Affen zu laden, nur, um letztendlich auf Mutantenwesen mit Atombomben-Fetisch zu stoßen… Nun, ich würd’s tun. In Wirklichkeit bin ich aber kein Suchender, sondern nur ein Miesepeter mit empfindlichem Magen.

Sinnbildlich ist dafür vermutlich das weiß gekleidete Sommer-Pärchen, das ich auf meinem Nachhauseweg sah und bei deren überschwänglichen Kuss ich beinahe auf den Bordstein erbrochen hätte. Alle sind verliebt und es scheint, als hätten die Menschen schon seit Monaten darauf gewartet, endlich wieder einen Sonnenbrand zu bekommen. Sie gehen dann Händchenhaltend raus und flanieren in ihren Sonnenbrillen umher, so dass einem die Galle hoch kommt. Die Einzelmenschen sind dabei nicht besser. Auch sie versprühen diese Freude und die Hochgefühle, die auch ein lebendiger Aligator hat, wenn man ihn in einer Suppe kocht. Sowieso: Die Gesellschaftssuppe. Ich habe kein – großes – Problem mit öffentlichem Nahverkehr oder Vorlesungssälen und all dem. Aber ich ertrage die schwitzigen, halb nackten Menschenmassen nicht. Ich ertrage es nicht, wie alle draußen stehen, sich sonnen und scheinbar die ganze Stadt zu einem Strebergarten wird, in dem man sich trifft und Bier trinkt.

Ich brauche jetzt einfach eine oder zwei Wochen, um meine Übelkeit zu überwinden und innerlich mit meinem Leben abzuschließen. Vielleicht hört dann auch mein Magen auf, sich zu drehen, wenn er die Nähe dieser Sich-Gegenseitig-In-den-Mund-Sabberer spürt. Bis dahin verkrieche ich mich in meiner – Achtung, Klischee! – Kellerwohnung und höre Funny van Dannen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.