Der Andere ist wieder da.

Eigentlich glaubt es niemand, ich am wenigsten, aber die Renovierung der Wohnung geht voran. Zumindest in kleinsten Teilen. Die Küche steht derweil in Warteposition (seit nun gut 10 Wochen), weil aufgrund des Wetters ein Heizkörper nicht entfernt werden kann, der der Küche im Weg steht und dessen Entfernung eine abgeschaltete Heizung voraussetzen würde. Auch die Waschbecken, der Austausch der anderen Heizkörper, das Abdichten der alten Heizkörper-Nischen, das Abschleifen der Türen, das Verputzen der Wände, die neuen Böden, das Verlegen von Kabeln, kacheln der Waschbecken auf den Zimmern … Die Liste, die sich mein Vermieter selbst aufgehalst hat, wird nicht kleiner. Bis auf einen Punkt, der tatsächlich verschwunden ist: Das Badezimmer hat nun einen Spiegelschrank! Wuh..u?

Habe ich darauf gewartet? Nein. Spiegelschränke sind mir reichlich egal. Sie sind praktisch, wenn man sich rasieren oder schminken will, aber ich stutze inzwischen nur noch. Dennoch bemerke ich eine Wesensänderung bei mir. Statt einem kleinen, Handgroßen Spiegelchen, das ein bewusstes Hineinblicken bedurfte, habe ich nun bei jedem Aufenthalt im Badezimmer – und das ist solange es noch kein Spülbecken in der Küche gibt überraschend oft – mein mittelprächtiges Gesicht vor mir. Ein großer, dreitüriger Spiegelschrank dominiert den Raum über dem Waschbecken. Ich bin also gezwungen, über meine Reflexion zu reflektieren. Bin ich schön? Nein, nicht einmal im Ansatz. Aber ich bin mit meinem Aussehen weitgehend zufrieden.

Ich erwische mich nun aber dabei, Grimassen zu ziehen, Katzen-Gesichter nachzumachen, wie Kramer zu tanzen, und ja, manchmal denke ich auch, was „Self-Help Cat“ im obigen Bild denkt. Mit einem großen Spiegel tritt mein eigenes Aussehen wieder in mein Leben.

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