Cats are equal

Eintragsentwurf. Festgefahren. Ich veröffentliche das jetzt einfach mal in seinem fünften Entwurfsstatus.

Das Interessante an Katzen ist ja, dass in ihrer Fremdwahrnehmung durch Menschen die Grundfesten dessen verwirklicht sind, was wir als die Grundpfeiler unserer eigenen Gesellschaft ansehen – aber auch unsere aktuellen Probleme. Freiheit, Gleichheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit, all das ist in der Katzenrepublik bereits verwirklicht.

Katze ist Katze ist Katze.

Hunde unterteilen wir in Rassen. Zwar klingt immer der Begriff „Hund“ als Gruppenbezeichnung mit, irgendwo im Hintergrund, aber trotzdem erkennen wir alle himmelweite Unterschiede zwischen einem Rottweiler und einem Schäferhund. Wir lernen ihre Unterschiede und sagen, diese gehören zusammen, diese nicht. Katzen sind zwar auch in Rassen und Familien getrennt, aber diese haben nicht die Bedeutung, die wir bei Hunden zumessen. Es ist eher, wie als hätte eine Katze eben eine andere Frisur, wäre eben aus einem anderen Dorf, so, wie ein Stuttgarter auch anders redet als einer aus Hamburg. Eine Trennung ist aber nicht da. Eher eine Diversität und Vielfalt. Es gibt keine Hartz-IV-Katze, keine Katze im Vorstand. Keine Katze ist besser oder schlechter als eine andere. Katzen sind alle gleich. Wir lernen manche nur lieber mögen als andere. Aber das sind persönliche Beziehungen, keine Rassismus. Niemand würde eine Maulkorbpflicht für Tardar Sauce fordern.

Was wir uns als Idealbild einer modernen, aufgeschlossenen Gesellschaft imaginieren, nehmen wir aus unserer Wahrnehmung der Katzenwelt heraus.

Hunde repräsentieren dagegen eine alte Gesellschaftsidee, die vor allem aus Unterwürfigkeit besteht und aus scheinbarer Unterscheidbarkeit von Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten. Katzen dagegen bedeuten Freiheit – und Desinteresse.

Eine Katze geht, wenn sie keine Lust auf dich hat. Ich habe schon oft Katzen verschwinden sehen. Und wenn sie in die Ecke gedrängt werden, so wie ich es aus Unwissen in meiner Kindheit einmal tat, dann zeigen sie Krallen. Sie verteidigen ihren personal Space, nötigenfalls mit Gewalt. Lass mich in Ruhe, dann lass ich dich auch in Ruhe.

Mit Hunden ist das anders. Vor ein paar Jahren sah ich mit an, wie ein Bekannter seinen Jagthund erzog. Mit Tritten. Gewalt als Durchsetzung, Gewalt als Möglichkeit der Hierarchiebildung. So wäre eine Hundegesellschaft. Eine Katzengesellschaft dagegen erwartet von uns eine Mindestsicherung – im Verhältnis Mensch-Katze ist das die Versorgung mit Nahrung und Wasser -, im Gegenzug lassen Katzen uns auch mal in ihre Personal Space, etwa, in dem sie zulassen, dass wir sie streicheln. Das Verhältnis Katze-Mensch spielt hier das Verhältnis Bürger-Staat wieder.

Der Umgang von Katzen untereinander ist wiederum wie das Verhältnis von Bürgern untereinander. Entweder weitgehendes Ignorieren, Streit oder auch Zuneigung.

Dies alles zusammenfassend muss man sich fragen, ob die menschliche Ideal-Gesellschaft in der Katzen-Menschen-Gesellschaft verwirklicht ist, oder ob ich aus Vorliebe für Katzen Idealvorstellungen einer menschlichen Gesellschaft in die Katzen-Menschen-Gesellschaft imaginiere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.