Arbeitsunfähige Studierende.

Eigentlich, sagt ein Freund von mir, ist man nach dem Studium arbeitsunfähig. Ich kann keine 40-Stunden-Woche schaffen, scherzt-jammert er, ich brauche doch meinen Mittagsschlaf. Ich selbst liebe mein Studium und sehe es nicht als etwas, was ich möglichst schnell hinter mir lassen will. Im Gegenteil: Ich möchte möglichst viel mitnehmen. Möglichst viel lernen. Verstehen. Ich will mich selbst akademisieren, will scheitern, woran schon Größere gescheitert sind und da weitergehen, wo die Pfade noch frisch sind.
Schnell studieren funktioniert bei mir einfach nicht. Ich verstehe nicht immer alles gleich. Ich komme aus keinem … bildungsnahen Haushalt. Moment, aber eigentlich wollte ich wo ganz anders hin.

Das Narrativ der arbeitsunfähigen Studierenden.

Warum sagen sich Studierende, sie wären unfähig zu arbeiten? Warum referieren wir genüsslich unsere Taxifahrer- und Burgerbraterzukunft? Ich sehe darin einen doppelten Grund für diesen Narrativ: Einerseits soll hier nach Außen abgesichert werden. Die Erwartungen sollen gedrückt werden, die Ziele klein gehalten, und letztlich eine Planübererfüllung zu erreichen. Andererseits dient das Narrativ der Arbeitsunfähigkeit als Durchhalteparole für den Studierenden selbst. Für eine unsichere Zukunft ein Meer aus Bürokratie („Sie müssen sich mit einem Formular anmelden“ & „Hierfür existiert kein Formular“) zu durchschwimmen, sich regelmäßig zu prüfen und in einer winzigen Wohnung zu vegetieren, während deine Freunde bereits eigene Autos besitzen, Kinder kriegen, ein Haus bauen und „ausgesorgt“ haben. Die Frage, „warum mache ich nicht einfach eine Ausbildung?“ lässt sich nur abwehren, spielt man sich selbst vor, man sei dafür nicht (mehr?) geeignet.

Keine Pointe.

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