Phantom-Bewegungsmesser

Angeblich, so las ich es neulich in meinem aktuellen Lieblingsreiseblog (auf dessen Verlinkung ich hier verzichte, weil ich nicht weiß, ob ich das darf), braucht es 21 Tage, bis Veränderungen einsetzen und Dinge zu einer Gewohnheit werden. Gestern Abend stellte ich fest: Es reichen schon 10 Tage, um zumindest Irritationen zu erzeugen. Aber an den Anfang.

Ab und zu mache ich ganz gerne bei Fragebögen oder Untersuchungen mit. Einerseits, weil das recht häufig kleine bis kleinste Zuverdienste bringt, andererseits, weil ich das Gefühl genieße, jemandem beim Erkenntnisgewinn helfen zu dürfen. Gerade bei eher schlecht bezahlten Studien kommt hinzu, dass die Personen, die selbige durchführen, in aller Regel in geradezu überschwänglicher Art dankbar sind. Ich verstehe, wie frustrierend das sein kann, wenn man von hunderten nur Ablehnung bekommt, und wie freudig man dann ist, wenn doch jemand zusagt. Trotzdem wirkt das immer ein bisschen komisch, zumal im krassen Gegensatz zu der sonst so gewohnten kalten Uni-Bürokratie. („Wenn Sie ihr Bafög nicht rechtzeitig erneut beantragen ist das ihr Problem.“ „Und wie soll ich jetzt bitte essen?“ „Es gibt doch Suppenküchen.“)

So meldete ich mich auch zu einer Studie mit Bewegungsmessern an. Diese „ACTIVITY – Studie“ wurde mittels zweimal 9 Fragebögen, einem Hintergrundfragebogen und Bewegungsmessern der Firma ActiGraph durchgeführt. Am Gürtel, Rock oder ähnlichem getragen zeichnete dieser über 10 Tage meine Bewegung auf – nach oben/unten, vor/zurück und zu den Seiten -, sieht dabei aber eher wie ein Fahrrad-Rücklicht aus. Wichtig war nur, es möglichst immer zu tragen. Auch Nachts (was mich nicht störte). So wurde es eine Gewohnheit, den kleinen Bewegungsmesser von Hose zu Hose zu wechseln – auch, wenn ehrlich gesagt in meinem Alltag nicht allzuviel Bewegung stattfand.

Am Mittwoch nun gab ich das Gerät einer – immer noch superfreundlichen – Versuchsleiterin zurück und sie händigte mir als Lohn für meine „Mühen“ einen 5-Euro-Amazongutschein aus, zusammen mit (Yay!) einem Täfelchen Schokolade (Buh: Laktoseintoleranz). Tags drauf suche ich immer noch irritiert bis wütend nach dem Gerät, um es von der getragenen Hose zur Nächsten anzustecken, bis mir dann wieder klar wird, dass ich es ja zurückgab.

Vermutlich beruht auf dem gleichen Prinzip der Gewohnheit auch Jerry Seinfelds „Don’t break the chain“-Produktivitätsmethode, zu der ich mich ja bis heute nicht aufraffen konnte (auch nur diesen Artikel dazu zuende zu lesen). Aber vielleicht müsste ich es auch wie das Eichhörnchen sein: „The problems in hand are lighter than at heart“.

Oder so.

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