Die Bizzarro-Woche

Eigentlich müsste ich am Sonntag von einer Flugzeugturbine zerquetscht werden, wenn mich nicht die Nachbarskatze aus meinem Zimmer herauslockt. Bis hierhin war die Zeit nämlich so verrückt und irritierend, dass sie nur eine Parallel-Geschichte zur regulären Wirklichkeit darstellen kann. ( Wir empfehlen dazu folgende Musik)

winkekatzestauwehr tübingen

Angefangen hat alles mit einem sehr erfreulichen Gespräch über Katzen. Genauer über den Nachbarskater Jassi (oder Jassy?), dass er recht unkompliziert sei und gerne draußen. Und dass er den Schnee liebe. Jassi ist ein unglaublich netter, aber auch eigenwilliger Kater, der, wenn wir hier lüften, gerne mal hereinkommt. Deshalb haben wir auch unsere WG intern nach ihm benannt: Katerkeller. Ob diese Entscheidung weise war oder auch nur nachhaltig, wer weiß. Jassi zerfetzt jedenfalls auch unschuldige Tiere und präsentiert diese uns stolz.

Das Gespräch war dabei so ungezwungen und so angenehm, dass ich völlig irritiert zurückblieb, dass ausgerechnet ich bei einer solchen Unterhaltung dabei war. Ich, der sonst mit einfachsten Wortfetzen Probleme hat. Außerdem hatte ich zuvor mit selbiger Nachbarin noch nie ein Wort gewechselt, und nun das? Ich schob es auf die Weltgemeinschaft der Katzenliebhaber_innen und summte fröhlich Cat lovers of the world, unite and take over.

Tags drauf war der Vermieter da – und in einer Art und Weise freundlich, die ich mir nicht erklären konnte. Er brachte sogar Süßigkeiten mit. Süßigkeiten! Die Anwesenheit in einer Bizzarro-Welt war damit sicher. Die Nebenhandlung – oder je nach Standpunkt auch Hauptgeschichte – war über eine Mitbewohnerin und einen Jungen mit hübschen Haaren, über die ich an dieser Stelle aber nicht so viel verraten möchte, um da nichts zu spoilern.

Kommen wir zum Donnerstag. Acht Uhr früh. Ich liege in meinem Bett und starre die Decke an. Großer Lärm, klirren, als wäre ein ganzes Geschirrregal am Boden zerborsten. Ich drehe mich um. Mag die parallele Realität doch machen, was sie will. Als auch ich endlich aufstehe liegt unser Spiegelschrank im Badezimmer am Boden. Scherben, auslaufendes Schampo, zerstörte Seifenspender (Nooo!), unser geliebter Alibert liegt am Boden, blutend, auslaufend.

Ein Telefonanruf beim Vermieter später scheint die Welt nicht weniger verrückt geworden zu sein. Ich verschwinde deshalb unter mein Bett und versuche, die Welt, die ich nicht verstehen kann, vor dem Fenster zu lassen. (Was Karen Pommeroy vorhersagte: „And we are losing them to apathy, to this prescribed nonsense. They are slipping away.“) In der Nacht war ich plötzlich sehr motiviert, hörte Distillers und weckte das halbe Haus.

Heute weckt mich eine Nachricht einer Mitbewohnerin. Ob mir von dem Schwan bei unseren Mülltonnen erzählt wurde. Ich lege das Handy weg. Lege die Welt bei Seite. Gleich muss ich aufstehen und der Welt entgegen treten. „I’m a bad ass bitch from hell and no one can fuck wit me.“ denke ich. Es klingt, als wäre es eine Frage. Ich lege meine Gedanken weg. Und warte. Warte auf die Flugzeugturbine.

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