TüBurger – FBI Diner (Rottenburg)

An den Burgern vom FBI in Tübingens kleinem Nachbar Rottenburg gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Eigentlich. Über die Jahre durfte ich unzählige Bedienungen und Köche kennenlernen. Es gab Wochen, in denen waren wir drei Mal dort. Und ich erinnere mich nur zu gut an kalte, mitgenommene FBI-Burger, die ich voller Genuss mitten in der Nacht verzehrte absorbierte. Es war eine großartige Zeit. (Eine Erinnerungsbasierte Burgerkritik.)

Burger
[Archivfoto.]

Die Burger vom FBI haben ein dickes Fleisch, Fertigbrötchen mit Körnern, die richtige Menge Burgersoße, Salat geschnitten, nicht als Blatt und Zwiebeln als Ringe. Die Gurken und Tomaten, die in den Jahren dort manchmal trotzdem mitkamen, obwohl ich sie abbestellt hatte, wurden stets runtergepuhlt. Dazu konnte man wählen zwischen Pommes und Kartoffelspalten. Zu besonderen Aktionen gab es auch übertrieben große oder selbst zusammengestellte Burger.

Zusammen mit einer Umgestaltung – in Gelb-Blau – wurden die Preise erhöht und einige unserer geliebten Wochenaktionen abgeschafft. Wir schworen uns: Ab jetzt gehen wir nicht mehr ins FBI.

Doch wie es so ist mit Stammlokalen, kommt man davon einfach nicht so leicht los. Es gibt dabei unzählige Anekdoten, die ich hier nicht zu Ende erzählen werde, die sich rund ums FBI abgespielt haben. An einem irritierenden Herbsttag etwa weigerte ich mich – aus Erfahrung, dass meine Anwesenheit nur alles schlimmer machte -, meine damalige Flickvän zu trösten, die draußen vor der Tür weinte. Ich bestellte mir während dessen einfach einen Hamburger. Die ganze Geschichte erzähle ich bei Gelegenheit bei einem Bier, aber jedenfalls nicht im FBI.

Nicht, dass das FBI schlechter geworden wäre oder die erneute Preiserhöhung, die die immernoch recht leckeren Burger irgendwo um die 10 Euro ansiedelte, uns verschreckt hätte. Wir waren es nur leid. Leid, wenn das Lokal halb kollabierte, weil die Hälfte der Tische belegt war. Wenn 30 Minuten lang Gäste auf ihre Getränke warten mussten, die schon am Tresen bereit standen. Für uns war das kein Problem, denn wir wussten inzwischen, wie es läuft. Wir redeten lange, mein Kumpel stellte uns seine Freundin vor und wir hatten mehr als genug Gelegenheit, sie auszufragen. Es war eine gute Zeit.

Wenn nichts los war quatschten wir mit den Bedienungen. Eine erklärte uns einmal, sie würde den Chef nicht rufen, wenn der Laden voll sei, weil sie sonst das Trinkgeld teilen müsse. Wir verstanden, aber waren ebenso aufgebracht. Ein Lokal dieser Größe mit zwei Kellner_innen zu besetzen war einfach leichtsinnig. Der Chef, den man in einer kleinen Stadt wie Rottenburg wenigstens vom Sehen kennt – oft radelt er mit seinen Kindern auf einem Lastenfahrrad durch die Gegend -, scheint zu abwesend zu sein. Manchmal war der Laden völlig überfüllt, manchmal waren wir die einzigen Gäste. Manchmal funktionierte alles einwandfrei, dann wieder nicht. Aber wir gewöhnten uns daran, bis wir uns irgendwann doch davon losrissen.

Inzwischen waren Aktionen wie das Spar-Rips-All-you-can-eat bis zur Unkenntlichkeit verändert worden, der Zweite-Burger-Gratis-Tag in Zweite-Burger-Billiger-Tag verwaschen und der Pizzatag nur noch die Hülle seiner Selbst. Es war überfällig, dass wir verschwinden. Als wir vor einigen Wochen noch einmal dort waren – im Fernsehen lief ein Fußballspiel und der Laden war voll – warteten die Gäste an anderen Tischen weit über eine halbe Stunde, um auch nur überhaupt ein „Hallo“ zu hören. Und die Mitarbeiterinnen kämpften mit der neuen Handy-App-basierten Technik. Warum man nicht mehr Mitarbeiter – zumindest in Stoßzeiten – einsetzte statt ständig neue Dinge auszuprobieren kann ich mir bis heute nicht erklären. Aber wir beschlossen, jetzt wirklich nicht mehr dort hinzugehen.

Trotzdem, und wir können uns das nicht erklären, ist das Lokal so beliebt wie nie. Vielleicht liegt es ja doch an den – zumindest in meiner Erinnerung – guten Burgern.

3545 von 5000 ignorierten Kunden.

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