Im Leben nichts neues.

Wohnzimmer

Jung sein ist so großartig, weil sich alles so frisch und neu anfühlt. Die Freiheit, alles zu tun, was man will und das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden und die erste Liebe und das erste Verlassen werden und das erste Verlassen. In dem Moment mag sich all das großartig bis schrecklich anfühlen, im Nachhinein betrachtet hat es dieses Erfahrungsgefühl, als hätte man Punkte in Super-Mario gesammelt.

Die Welt mag uralt sein, dieses Gefühl tausendfach gefühlt, doch dem jungen Menschen ist es neu. So entsteht Neues. Die Dinge wandeln sich im Kontakt mit dem Neuen. Doch inzwischen fühle ich mich alt, so, als hätte ich schon so viel hinter mir, dass nur noch wenig kommen kann. Ich weiß, ohne es zu fühlen, dass dies nicht stimmt. Dass ich noch viel mehr vor mir habe, dass ich noch viel mehr schaffen kann – und noch 1000 mal scheitern und 1001 mal weitermachen kann -, weiß ich. Nur fühlt es sich nicht so an.

Eine der Parolen meiner Jungend waren – jaja, das ist gelogen, aber diese Behauptung treibt den Text voran – „the revolution will not be televised“, und dann wurde sie es doch. Kultur entsteht durch uns, fließt durch uns, und letztlich scheiden wir sie auch wieder aus. Kultur ist ein Human Centipede.

Die gängige Unterscheidung lautet „heiße“ und „kalte Kultur“, wobei erstere eine im Wandel begriffene, ja vom Wandel lebende, bezeichnet und letztere eine traditionsabhängige und sich nicht ändernde Kultur. Keines von beiden ist der Fall. Weder Tradition noch Wandel erfahre ich. Alles ist mir einerlei und gleich, als gäbe es nur Atome, aber nicht, was diese zu bilden vermögen. Als wäre alles letztlich egal und unbedeutend und diese Zeit hier nur ein Wartezimmer auf dem Weg in eine andere Kiste.

Es fühlt sich so durchlebt an, als hätte ich diese Welt schon einmal durchgespielt, aber wäre dies der Fall müsste ich mich wohl besser anstellen. Aber, ich will mich nicht beschweren. Denn immerhin geh ich ab und an schlafen mit nem Lächeln. Manchmal habe ich Zeit die Katze zu streicheln, manchmal Texte zu schreiben, manchmal gute Musik zu hören. Manchmal treffe ich auch Menschen, nur dass das immer noch nicht so gut funktioniert, wie mir das die Job-Bibeln abverlangen. Ich bin glücklich in manchen Momenten, und oft bin ich nicht traurig. Das ist schon sehr viel.

Nur dass ich keine guten Texte mehr schreibe, stört mich. Aber ich mache einfach weiter. Schreibblockaden kommen und gehen.

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