Wenn der Busfahrer schnell über die Geschwindigkeitsschwellen deiner Heimatstraße fährt und du für einen kurzen Moment schwebst.

In meinem Ohren läuft Casper. Deutschhopscheiße, jaja, aber es ist so schön seicht und scheinbar jeder kann sich darauf einigen. Er singt davon, dass alles endet, aber nie die Musik. Der Busfahrer ist spät dran. Ich sitze ganz hinten und fliege bei jedem Geschwindigkeitshuppel von meinem Sitz. Ich den Händen klammere ich mich an zwei große Packungen Cornflakes. Ich liebe dieses Leben.

Und dann denke ich wieder an diesen Gedanken, den ich dachte, und der mich gestern wach hielt. Doch nicht so seicht, Herr Griffey.

Irgendwann werde ich aus dieser bezaubernden WG ausziehen. Und dieses irgendwann könnte schneller kommen, als ich es im Moment zugeben kann. Mein Bruder bot mir nämlich an, in unserem Elternhaus ein Zimmer für mich frei zu räumen, in das er sonst niemand einziehen lassen kann. Die Grundidee meines Umzugs nach Tübingen wäre damit erneut erfüllt. Ich hätte Wohnraum für Studenten geschaffen – also frei gemacht. Und meinen Bruder kümmert es vermutlich wenig, ob das Zimmer leer ist, während ich mein Glück am anderen Ende der Landkarte suche. Es wäre eine Basis, ein Zuhause, ein Platz, den ich niemand wegnehmen müsste, sondern der mir gehören könnte – zumindest bis auf weiteres.

Meinen Mitbewohnern habe ich davon noch nichts erzählt. Von diesem Angebot. Davon, dass er mich innerhalb von einem Abend holen würde. Mit allen Möbeln, allen Erinnerungen. Und dann wäre ich weg. Einfach so.

Was waren nochmal die Vorteile des Wohnens in Tübingen? Dass ich nicht mehr pendeln muss. Aber das ist nur eine halbe Stunde Unterschied am Tag. Im Gegenteil pendele ich nun mehr nach Rottenburg – um zu arbeiten, Freunde zu treffen, bei irgendwelchen Sachen zu helfen -, als dass ich je nach Tübingen gefahren wäre. Dass ich abends lang weg kann? Wahrscheinlich bin ich einfach nicht der Typ fürs Tanzen und Trinken. Dass ich neue Menschen kennenlerne? Ja. Aber deshalb jemand anderem dringend benötigten Wohnraum wegnehmen, wo ich – und im Moment nur ich – doch auch mit meinem Bruder zusammen wohnen könnte?

Ich zweifle. Und schweige.

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