TüBurger – Metzgerei Hanselmann

Tübingen ist geprägt von Unterschieden. Zwar lassen sich heute keine eindeutigen Grenzen zwischen – zumeist – zugezogenen Studenten und hiesigen Gôgen mehr machen, aber manchmal wird man doch daran erinnert und findet sich in dieser ach so metropolen, zukunftsgewandten, modernen Stadt plötzlich im tiefsten, reformscheusten, ja, schwäbischten Schwaben wieder. Wo Mitarbeiter in Kittelschürzen in breitestem Schwäbisch Bestellungen aufnehmen, die Leute ehrlich und direkt sind und neue Angebote mit Edding auf bestehende Speisetafeln gekritzelt werden. Pragmatisch würden diese Leute das nennen, wenn sie ein bisschen mit Fremdwörtern angeben wöllten, andere Leute würden es stümperhaft schimpfen. Mir persönlich gefällt diese Kultur, denn ich bin in dieser aufgewachsen und fühle mich daheim. Meine Mutter stammt (eher) aus einer Gôgen-Familie und auch die Linie meines Vaters kennt nur sehr wenige Professoren und Geheimräte. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil. Ich fühle mich daheim.

Hamburger Metzgerei Hanselmann

Und so schwäbisch-traditionsbewusst und pragmatisch, wie der Laden mit seinem kleinen Verkaufsfenster und den auf DinA4-Blättern gedruckten Firmenmottos („Wir verkaufen nur, was wir selbst kaufen würden“) wirkt -, so schmeckt auch der Hamburger der Metzgerei Hanselmann. 2,30 Euro kostet er – also völlig bezahlbar -, das Fleisch hervorragend, Soßen aus der Tube (eine Art Gewürzketchup (?) und Senf), Salat, Zwiebeln… ich denke, ich muss nicht alles aufzählen. Das Brötchen, immerhin gut durchgebacken, war mir dagegen zu geschmacksarm. Typisches Großbäckerbrötchen der Form und dem Geschmack nach zu urteilen, möglicherweise hat aber auch mein Schnupfen da noch etwas nachgewirkt und verfälscht.

Highlight für mich war die ach so schwäbische Lösung der eine der großen Frage aller Burgerphilosophen, die uns seit Jahrhunderten beschäftigt und über die wir uns regelmäßig bis aufs Blut zerstreiten: Was gehört über, was unter das Fleisch? Einziges, was fest im Hamburger ist, sind die Brötchenhälften an seinen oberen und unteren Rändern sowie irgendwo dazwischen ein Fleisch und die anderen Sachen. Einige Revolutionäre behaupten gar, nur das Fleisch würde zum Burger gehören, aber das geht dann selbst mir zu weit. Was nun aber wohin gehört, das ist Streitfrage. Ganze Ehen zerbrachen schon an dieser simplen Frage, und so wie Columbus ein Ei auf dem Tisch stellte, stellt Hanselmann die komplette Burgerwelt auf den Kopf. In deren Hamburgern liegen Soßen und Salat jeweils auf beiden Brötchenhälften und verzieren so gleichmäßig auf oben und unten verteilt das sehr gelungene, aus eigener Herstellung stammende, Fleisch. (Wäre bei einer Metzgerei auch sehr enttäuscht, hätten die Fertigpatties).

Insgesamt für das Preisfeld und einen Fensterimbiss ein recht gelungener Hamburger. Wer eh zum praktisch direkt daneben gelegenen Burgeramt Bürgeramt muss, kann hier ein günstiges Mittagessen abstauben. Extra nur für diesen Hamburger würde ich allerdings nicht (nochmal) dorthin fahren.

3 von 5 Kittelschürzen.

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