„Die Kultur zerschellt am Geld“

20 euro schiff

Ich habe mein Versprechen gebrochen. Schon jetzt. Im Dezember schrieb ich auf Facebook über ein „Gesellschaftsspiel“, über das ich bei Konsumpf (übrigens ein sehr großartiges Blog) gelesen hatte. Es ging darum, ein Jahr zu leben ohne sich Zeugs zu kaufen. Als ich meinem Bruder davon erzählte, sagte er, „Ich kann mir das schon vorstellen, aber dieses Jahr“ – er übernahm Anfang des Jahres unser Elternhaus -, „wöllte ich das nicht machen“. Ich hielt die Idee für interessant und beschloss, zumindest einmal darauf zu achten, was ich kaufen würde. Vielleicht war es tatsächlich möglich, nur zwei Dinge zu kaufen. Aber dann bot er mir an, bei ihm einzuziehen, und ich hatte Probleme mich zum lernen zu motivieren – und schloss einen Pakt mit mir – und mein Blog zog auch um. Aber, chronologisch, bitte:

Konsum als Motivationshilfe.

Anfang Januar waren die Prüfungen in gefährliche Nähe gerückt und ich schaffte es partout nicht, mich zum lernen zu motivieren. Also schloss ich einen Pakt mit mir selbst. Für gewöhnlich kaufe ich recht wenig neues Zeugs, abgesehen von Büchern, so dass ich Geldgeschenke und einige Arbeitslöhne in bar in einem Versteck aufbewahren konnte. Diese waren zwar durch meine Haushaltsapp als Einnahme eingeflossen, aber auch als Ausgabe („Altervorsorge“) wieder hinaus. Da ich mit meinem Mobiltelefon schon länger unzufrieden war, schrieb ich also auf: „Wenn du alle Prüfungen mitschreibst, Schwedisch mit mindestens 3,0 bestehst und in alle Veranstaltungen im Januar erscheinst, darfst du dir ein neues Mobiltelefon kaufen.“ Und der Pakt wirkte. Wie ein Esel, dem eine Karotte vorgehalten wurde trottete ich in alle Prüfungen, machte alles mit, büffelte und bestand alle Prüfungen, von denen ich bisher Ergebnisse erfahren habe.

Also kaufte ich mir ein neues Mobiltelefon. Eines dieser Chinahandys von völlig unbekannten Herstellern – ein „UTime U100S“ -, welches für seinen Preis recht gut funktioniert und mit dem ich, abgesehen von gelegentlichen Bildschirmfehlern, auch zufrieden bin.

Interessanterweise interessieren sich scheinbar alle Menschen für neue Technikgeräte. Ich wurde mindestens von 5 Leuten danach gefragt, musste das Gerät zeigen, Vor- und Nachteile und natürlich den Preis berichten. Ähnliches Interesse kenne ich sonst nur von neuen Frisuren, aber da fragte mich noch niemand nach dem Preis. Nun…

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich

Im Zuge des Umzugs sollte auch dieses Blog umziehen. Also neue Domain gekauft und dann, als ich feststellte, dass dieser Kauf zu vorschnell war, kaufte ich eine zweite. Ich hatte das gar nicht als Zeug begriffen, bis ich heute morgen unter der Dusche stand, und über die zwei Zeugkäufe nachdachte, die ich dieses Jahr – und es ist Mitte Februar! – schon tätigte. Da fiel es mir erst auf: In Wirklichkeit hatte ich vier Dinge gekauft. Zwei Elektrogeräte (das zweite erwähne ich gleich noch) und zwei Domains. Es überkam mich ein Gefühl von Kälte und Schmach – vielleicht hat aber auch nur jemand in der Küche den Wasserhahn aufgemacht.

Jedenfalls hatte ich just am Wochenende zusammen mit meinem Bruder einen Fernsehapperat für sein und bald unser Wohnzimmer erworben (immerhin bei einem Händler im Ort)… Ich bezahlte ihn in Bargeld und trug dafür ein paar ehemalig in meinem Versteck befindlichen Scheine in die Innenstadt. 600 Euro, lass uns nicht lange streiten, das sind 1200 Mark, hab ich dafür ausgegeben. Zum einen war es komisch, soviel Geld in der Hand zu tragen; zum anderen fühlte es sich befreiend an. Das Geld hatte mich nicht glücklich, sondern unsicher gemacht.

Nun…

Kannst du noch leben, ohne zu kaufen? (Und wenn ja, wie lange?)

… fragte Goodmatters und meine Antwort lautet wohl: „Nein“ und „Nicht sehr lange.“ Ich werde trotzdem dieses Jahr über genau beobachten was ich kaufe – und vor allem, warum. Vielleicht lässt sich ja, anstatt ein Kauffasten zu verfolgen, zumindest ein anderer Umgang mit dem Zeugs erreichen.

Denn eins steht leider fest: Ich werde dieses Jahr noch einiges kaufen.*


*Definitive Kandidaten dafür: Ein kleiner Schrank und eine Kommode von IKEA und die Verkleidungen für unser diesjähriges Fasnetsthema. Und was ist eigentlich mit Verkaufen? Mein Hochbett und das Sofa, das nun darunter steht, möchte ich gerne gegen Bargeld eintauschen, ebenso wie ein paar wenige Dinge, die ich mit in die WG brachte. Ein Jahr mit Umzügen ohne Käufe ist wohl… unmöglich.

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