Stand des politischen Gefühls (II)

Zum zweiten mal in meinem Leben werde ich dieses Jahr bei einer Bundestagswahl von meinem Wahlrecht gebrauch machen dürfen. Ich würde gerne behaupten, ich hätte seit damals sehr viel über die Politiklandschaft gelernt und hätte endlich begriffen, dass Wahlen nichts ändern, weil sie sonst verboten wären.

Ich glaube, ich wählte damals die Piraten mit meiner Zweitstimme und eine Direktkandidatin entweder von der SPD oder den Grünen. Bei der Landtagswahl wählte ich dann Grün. Bereue ich diese Entscheidung? Manchmal. Durch den „Politikwechsel“ ist nichts anders geworden. Warum sollte eine Rot-Grüne Bundesregierung plötzlich besser sein als eine Schwarz-Gelbe oder eine Schwarz-Rote? Warum sollte Rot-Grün anno 2013 besser sein als Rot-Grün anno 2005? Schaffen es die Piraten in den nächsten Bundestag? Und was ist, wenn nicht? Was ist, wenn nachher nur SPD, CDU/CSU, FDP und Grüne im Bundestag sitzen? Und Pseudo-Oppositions-Spielchen spielen?

Es ist drastisch, aber ich habe das ungute Gefühl, ich müsse dieses Jahr die Linke wählen. Einerseits habe ich den Eindruck, bei vielen wirklich kritischen Fragen im Bundestag ist es die Linksfraktion, die dort nachhakt, andererseits wünsche ich mir, dass Heike Hänsel es wieder in den Bundestag schafft (Seien wir ehrlich: Das Tübinger Direktmandat schafft sie vermutlich nicht. Aber vielleicht über die Landesliste?).

Natürlich gibt es große Kritikpunkte an der Linken. Sie schreiben beispielsweise immer noch von Vollbeschäftigung und Arbeitszeitverkürzung bei Lohnausgleich und all diesen Dingen. Man hat manchmal das Gefühl, sie wären in der Vergangenheit stecken geblieben. Und dann wäre da noch der strukturelle und teilweise offene Antisemitismus, den einige Mitglieder_innen verbreiten. Andererseits: Sie ist die einzige Partei im Bundestag, die noch keine Chance hatte, mich aktiv zu enttäuschen.

Gleiches gilt aber auch für die APPD. Hm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.