Rape culture und male privilege in Fasnetskulturen

Triggerwarnung.

Die fünfte Jahreszeit hat eine lange Inkubationszeit – vom 11.11. bis meist in den Februar – und bricht dann gewaltig aus. Meine Heimatstadt hat ihren Umzug traditionell am Fasnachtssonntag, so dass diese tollen Tage für mich stets dort verbracht wurden. In den letzten Jahren mehrt sich aber auch die Kritik: An stupiden Männlichkeitsdarstellungen, an male privilege und rape culture innerhalb der Fasnachtskultur. In den letzten Jahren häuften sich zudem Gruselgeschichten von K.O.-Tropfen in Getränken bei diversen Festversanstaltungen um diese Zeit. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob die Fasnachtszeit nicht aktiv konterfeministisch ist.

Viele Hexenzünfte – insbesondere solche mit ‚langer Tradition‘ – verwehren immer noch Frauen* die Mitgliedschaft. Im Rock und mit anderer Identität steckt dann stets ein Mann*. Das ist ärgerlich und unfair und niemand konnte mir bisher befriedigend erklären, warum Frauen* kraft ihres biologischen Geschlechts hier benachteiligt werden sollen. Die Gelegenheit, in eine andere Rolle zu schlüpfen, die Narrenmaske anzuziehen oder gar den Adel zu verhöhnen stand offenbar nur Männern* zu. Warum dies heute teilweise immer noch so ist lässt sich verstandesmäßig nicht erklären.
Andererseits geht es noch schlimmer: Manche dieser Vereine schaffen für Frauen eigene Figuren und dies sind leider viel zu oft „Zigeunerinnen“, die in derber Weise Klischees bedienen und neben der Unterordnung unter die Männer – die sich im Gegensatz zu ‚ihren‘ Frauen völlig verhüllen dürfen -, auch rassistische Tendenzen zeigen.

Was mich nach der Fasnachtszeit noch beschäftigen wird ist die Katzenzunft Hardt, die Katzen – trotz ihres grammatikalisch femininen Geschlechts – männlich konnotieren. Snip von deren Website: „Die beiden Narrenfiguren der Katzenzunft Hardt sind jeher der männliche schwarze Katzenrolle und die weibliche weiße Kätzin.“ Man beachte: Während man üblicherweise von „die Katze“ und „der Kater“ spricht, wird hier die patriarchale Struktur auf Katzenfiguren übertragen und durch ‚Überfeminierung‘ zu „Kätzin“ die eigentlich feminine „Katze“ maskulinisiert. Möglicherweise verstehe ich hier aber auch einen zentralen Punkt falsch. Ich mag es hoffen.

Krassester Ausdruck des male privilege, ebenso wie der durch Fasnacht genährten rape culture sind die Figuren von Männern, die ihre Frauen ‚reiten‘. Nochmal: Ich bin damit aufgewachsen und fordere nicht in einem wütenden Leserbrief die sofortige Verbrennung der Fasnacht, mir fiel nur auf, wie wenig ich jemandem von Außerhalb erklären könnte, warum wir hier so etwas machen oder auch nur zulassen in 2000-N. Als ob die Unterdrückung der Frau nicht vier Jahreszeiten lang schon reichen würde, nein, sie muss mit Vehemenz auch in die fünfte getragen werden.

Dann steht mein Kind also am Umzugsweg und sieht diese sexistische Kackscheiße überall. Sieht wie Frauenfiguren* geknechtet und verhöhnt werden. Wie zwanghaft jede zweite Hexengruppe einen – natürlich – männlichen ‚Teufel‘ einführt, um ja die Hexen nicht selbstbestimmte Frauen sein zu lassen. Und Vati besäuft sich derweil im Zunfthaus, weil das ja ‚männlich‘ und ‚Tradition‘ sei.

Und dann kommt eine Gruppe junger Männer und wirft eine junge Frau vom Umzugsweg in ihren Eimer mit Stroh oder verpackt sie wie einen Christbaum oder bindet ihr die Füße mit Kabelbinder zusammen. Das ist Vergewaltigungskultur. Und ich stehe daneben und lache, freue mich über bunte Kostüme und bunteres Treiben. Wenn ich es vernünftig durchdenke muss ich mich vor mir selbst ekeln.

Dass die Zweiteilung der Frauenrollen im Fasching und Karneval – entweder alte, böse Hexe oder junges, hübsches Funkenmariechen – zutiefst sexistisch ist, muss ich wohl nicht mehr gesondert erwähnen. Positiv muss man die Integrationsbemühungen von Menschen mit körperlicher Benachteiligung sehen, die mir zunehmend bei vielen Vereinen auffällt. An den zumindest strukturellem Antifeminismus und der deutlichen rape culture in der Fasnachtszeit ändert das natürlich nichts.

Ich frage mich zunehmend: Kann es überhaupt noch Fasching geben, wenn Frauen endlich völlig befreit sind? Oder ist dieses Treiben im ganzen nur eine Festigung bestehender, patriachischer, frauenunterdrückender Strukturen?

Auch nach langem Nachdenken komme ich hier auf keinen befriedigenden Schluss, weshalb ich diesen offensichtlich unfertigen Eintrag nun einfach Dir übergebe. Was denkst du dazu?

(Anmerkung: Ich habe möglicherweise die Fachbegriffe nicht ausreichend klar und richtig verwendet. Dies tut mir leid. Es handelt sich hierbei um unfertige Gedanken.)

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