Text 168

Wo andere anfangen, alles durchdacht und geplant ist. Wo Themen genau festgelegt werden. Bei mir ist das anders. Ich lebe durch und mit und im Text.
Ich denke Texte. Ich taste Texte. Ich atme Texte, schreibe sie. Jede Zelle meines Körpers, jede Faser meines Seins, jeder Moment meiner Existenz: Texte. Andere Leute beschäftigen sich mit anderem. Machen Fotos. Eugène Jansson malte jahrelang blaue Bilder von Stockholm. Er kam nie raus aus der Stadt. Irgendwann war es dann genug. Er hatte alles gemalt, was zu malen war. Also malte er fortan Männerkörper. Ich habe noch längst nicht alles geschrieben. Es ist egal ob sie niemand haben will. Ich will diese Texte schreiben. Jeden. Einzelnen.

Manche Leute haben hohe Qualitätsstandards, andere sehr viel Output. Mir ist beides egal. Mir geht es um den Text. Er muss nicht besser sein oder mehr Leser_innen anziehen. Es ist mein Text. Ich schreibe diesen Text. Er muss nicht verständlich sein eller skrivas på bra tyska. Det är inte viktig. De är mina texter. Meine. Ich will sie schreiben. Jeden einzelnen davon. Und ich schreibe sie. Jeden einzelnen davon. Unter der Dusche, beim joggen, bei einer Pfeife, in jeder langweiligen Vorlesung, beim Kochen, im Bus,  wenn ich eigentlich besser schlafen sollte so wie jetzt. Ich schreibe sie immer. Und keiner von ihnen ist je fertig. Aber nicht, weil sie nicht gut genug wären. Nein. Ich schreibe sie einfach immer weiter. Diese Texte sind meine Kinder. Ich bin immer für sie da und sie sind immer für mich da. Außer dann, wenn ich sie endlich niederschreiben will. Sie verstecken sich dann wie das Kind vorm Bade. Weil sie tief drin  wissen, dass sie reingewaschen und im Spiegel betrachtet anders sind. Das wilde fehlt, dass zwei Sätze sich in einer Zeile überlagern und Himbeereis mit Nußecken essen und alles in allem ein Text ist. Der da endet, …

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