Ein Ehgner Junge schon sein lebenlang

Ehgner Fasnet

Es ist komisch, dass ich mich inzwischen recht verbunden fühle mit einer willkürlichen Ortsfestsetzung. In der Fasnetszeit sehe ich mich als Ehinger, referiere lachend auf längst überwundene Zwiste und freue mich meines Seins. Vielleicht ist das eine laufende Entwicklung und sich als Deutscher zu bezeichnen wird dann auch dieses urige Gefühl einer völlig vergangenen Zeit haben. Das ist halt alt. Ich weiß nicht, warum wir das machen. Vielleicht gibt es keinen Grund.* Es geht nicht darum Herkunft nicht mehr zu sehen oder Geschlecht, Ethnie oder Lieblingseissorte als Konstrukte zu entlarven. Es geht darum, daraus keine Privilegienunterschiede mehr abzuleiten. „hej, ich komm aus Ehgna.“ „Cool, i komm aus Roudaburg.“ „Komm, lass uns z’amma a bier trinka.“ Das ist toll und auf Stadtebene scheinen wir zumindest vereinigt zu sein. Auch wenn am Rathaus immer noch beide Wappen aufgehangen werden, aber vielleicht meine ich auch genau das: Kein Stadtteil der Rottenburger Kernstadt wird benachteiligt. Ehingen und Rottenburg vereint in Vielfalt, wohl auch, weil wir nun schon über 600 Jahre zusammen sind. Trotzdem, oder gerade weil die Fasnetszeit eine nie gelebte Vergangenheit in kollektiver Erinnerung hält: Ich fühle mich in Ehingen daheim.

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