Prosa / Skål! (172)

Beliebtsein war nervös. So lange hatten die beiden nicht mehr gesprochen. Ihr war alles so neu gewesen und er fand keine Worte mehr und dachte, es sei vorbei. Doch dann nahm er den Mut zusammen und wählte ihre Nummer. „Hallo“ kreuselte seine Stimme sich aus dem Telefonhörer in Julia Langeweiles rechtes Ohr. Gerade eben hatte dieses noch einen Kopfhörer beherbergt. Sie hatte irgendwas von den Smiths gehört, sich unheimlich einsam gefühlt – so wie damals mit 16 -, und dabei an Beliebtsein und seine viel zu kleinen Ohren gedacht. Wie lustig er damit aussah. Was er wohl tat, was aus ihm geworden war. Sie waren einmal beste Freunde gewesen, aber es gab auch nie einen Grund anzunehmen, das seien sie nun nicht mehr. Viel mehr fühlte sie sich wie eine Katze, und mit ihrer Pfote am Hörer kicherte sie einen mauzenden Ton hinaus. „Aber, wir begrüßen uns doch nicht!“ Stimmt, das hatte er vergessen. Ihre Unterhaltung war ewig. Ohne Anfang und ohne Ende. Sie legten einfach auf, wenn die Dinge gesagt waren und riefen zurück, wenn noch ein Wort fehlte. Beliebtsein hatte dies geliebt und Langeweile? – Nun, es war ja ihre Idee. Sie verabschiedete sich ohnehin nicht. Sie rief nur unzusammenhängende Worte, die die Leute meist als Abschiedsfloskel missverstanden. „Auf Winterseen!“ und „Wirsing“, wobei ihr diese Worte inzwischen auch in Hipsterkreisen nachgemacht wurden. Jedenfalls lachten sie nun beide. Kurz darauf legten sie auf – wie immer ohne Verabschiedung. Es war alles gesagt. Sie waren Freunde. Ohne Anfang und ohne Ende. Und Beliebtsein liebte das, und Langeweile? – Nun, es war ja ihre Idee.

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