Datensicherung in Zeiten der Totalüberwachung.

Ich nutze meinen jetzigen Computer seit mindestens 6 Jahren. Dazu wechselnde Mobiltelefone mit steigenden Fähigkeiten. Viele Service, viele Informationen, viele Accounts nutze ich schon seit nunmehr 10 Jahren – damals war ich vierzehn und hoffnungslos naiv -, von vielen Accounts weiß ich gar nicht mehr, dass sie existieren.

Macbook

Als ich anfing mit Computern zu arbeiten lautete das Mantra meiner Lehrer, Eltern und PC-Fachleute: Datensichern, datensichern, datensichern. Meine Vorstellung von Computernutzung war: Was wichtig ist, kopiere ich auf möglichst viele Festplatten, sichere x in y ab und umgekehrt. Überhaupt, wenn ich die Möglichkeit habe, Daten extern zu sichern, dann tue ich das. Die Hardware war die Schwachstelle.

Damit war ich nicht allein. Auch meine Freunde sicherten alles kreuz und quer. Ein Freund hatte vier externe Festplatten mit gegenseitigen Backups voneinander. Was da abgesichert wurde konnte er mir nicht sagen – vermutlich unwichtiges Zeugs -, aber irgendwie fühlte er sich besser. Was Datensicherungen angeht wurde unsere Generation zum Messi-Dasein erzogen. Wir verteilen, vervielfältigen, sichern unsere Sicherungen, im Glauben, damit irgendwas retten zu können und sorgen so nur für eine Fragmentierung unseres digitalen Lebens. (vgl.)

Inzwischen sind beinahe alle Bildschirme nur ein Fenster ins Internet. Wo meine Daten liegen, weiß ich nicht genau. Kann ich gar nicht genau wissen. Was ich auf dem Computer außerhalb des Browsers nutze ist meist aus dem Internet geladen, was nicht von dort stammt, dessen Kaufort wurde gegoogelt. Ein Häckchen mehr oder weniger an einer Stelle, an der man direkt einsteigen möchte und nicht sich lange über Datensparsamkeit und Vertrauenswürdigkeit von Quellen den Kopf zerbrechen will, kann den Unterschied ausmachen zwischen meine Daten sind im Zweifelfall weg oder abgesichert, aber auch zwischen meine Daten sind halbsicher auf meinem Endgerät oder liegen freundlich lächelnd auf Servern in den USA. Und Geheimdienste lächeln zurück.

Viele dieser automatischen Sicherungen laufen schon seit Jahren im Hintergrund mit. Beispielsweise eine App, die auf meinem bisherigen Smartphone alle SMS und alle Anrufe in meinem Gmail-Account archivierte. Angenommen, es gibt noch Freiräume. Angenommen, die NSA schneidet noch nicht alles mit. Dann bedeutet jedes absichern, jedes kopieren, jedes Backup eine Gefahrenquelle. Die Gefahr, dass es doch wieder in „deren“ Händen landet.

Eigentlich sollte man also alle Daten nur noch an einer – sicheren – Stelle speichern. Aber was ist, wenn die Hardware dann ausfällt? Was ist, wenn ein Beamter vorbei kommt und nicht mehr besonders freundlich mit unserer Festplatte umgeht? Hin und hergerissen zwischen Angst vor staatlichen Repressionen – wie sie der Guardian erfuhr – und der Angst, durch ein Backup würden die Daten doch nur in den falschen Händen landen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto schlechter wird mir. Für einen Moment dachte ich, es wäre vielleicht sinnvoll, nur noch Katzenbilder zu posten. Aber vielleicht macht einen ja gerade das verdächtig. Aber es ist ohnehin die Ironie der Geschichte, dass mit dem größten Überwachungsapperat aller Zeiten doch nur die banalen Unterhaltungen aller abgehört werden – und nicht etwa die Kaffeekränzchen von Terroristen.

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