Einfach rausreiten.

Das Leben bietet keine Abenteuer mehr. (vgl.) Deshalb lesen wir Abenteuer-, Coming-of-age- und Bildungsromane, fahren in Freizeitparks, kaufen uns Konsolen und steuern Figuren durch erfundene Welten.

In wenigen Jahrzehnten werden Videospiele ebenso behandelt werden, wie heute Filme oder vor einigen Jahrzehnten noch bestimmte Sorten Literatur. Forschungsgrundlage, in Ermangelung eines einheitlichen Spielerlebnisses, werden Let’s plays (?) sein. Der Entwickler ist tot, an seine Stelle rückt der Spieler. Das individuelle Spielerlebnis, yada yada yada, die Unterhaltungswissenschaften werden großartig werden.

Jedenfalls leistete ich mir nun, da die neuen Konsolen langsam fahrt aufnehmen, endlich eine lang ersehnte Playstation 3. Dazu gibt es bisher The Last of us, welches ich liebe und direkt nochmal durchspielen wöllte, weil es in der gestalteten Welt, im ganzen Spielgefühl so großartig ist, und Red Dead Redemtion, welches ich ganz gut finde, wenn auch an einigen Stellen eher öde, an anderen sehr toll. Ich als alter San-Andreas-Veteran finde daran natürlich gefallen, auch wenn Pferde niemals gestohlene Polizeimotorräder ersetzen werden können.

Jedenfalls verbrachte ich die vergangenen Wochen sehr viel Zeit damit, diese Spiele durchzuzocken. Bekanntermaßen bin ich darin ein völliger Totalausfall und sterbe selbst im einfachsten Modus ständig und graziös. Aber die Geschichten, die so erzählt werden, die gezeigt werden, die man regelrecht mitleben darf, sind grandios. Das Gefühl einer offenen Welt, die Sicherheit kleine Aufgaben eine nach der anderen erledigen zu können und dass Fehler nur bedeuten, beim letzten Checkpoint noch einmal zu starten… nun… ich denke, dass ich diese Erfahrungen produktiv im Studium umsetzen werde können (zumindest ist das meine Ausrede, soviel Zeit damit verbracht zu haben).

Einerseits genieße ich diese Sicherheit und die kleinen, gerade eben nicht selbstgesetzten Ziele, in die man in einer halben Stunde abtauchen kann. Anderseits bleibt das schlechte Gewissen. Zu oft las ich die Vorwürfe, die gefühlt alle™ gegenüber Spielen haben – zeitvergeudend, minderwertig, verrohend -, so dass ich diese nicht mehr ganz aus meinem Kopf werfen kann.

Komisch, dieses schlechte Gewissen, welches sich gegen jede Logik und auch gegen jedes vernünftige Argument gebildet hat. Vielleicht wohne ich einfach schon zu lange in Baden-Württemberg.

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