Major Disappointment.

Niemand mag Serienfinale, weil niemand Enden mag. Drüben bei sexdrugsblognroll erklärt Lia, dass Serien eigentlich wie Beziehungen sind und die Trennungen dementsprechend. Gestern endete nach 9 Staffeln How I met your mother und fast alles, was ich dazu las oder sah spricht entweder Zurückblickend-Dankbar oder mit Enttäuschung von The Last forever. Es began bereits morgens mit einem Foto auf Instagram. Ted und Robin salutieren, darunter steht „Major Disappointment“ in Anlehnung an den Witz aus der Slapsgiving-Folge (S03E09).

OK, major spoiler ahead („Major Spoiler“).

Ich mich also hingesetzt und die Folge geschaut. Was die Serie in ihrer Gänze schafft, ist, den Zuschauer an der Nase herum zu führen. Der Pilot (S01E01), in dem sich erst am Ende erweist, dass wir so nicht die Mutter, sondern Tante Robin kennenlernen, ist eine großartige Wendung, in die sich noch weitere Wendungen reihen werden. Bad News (S06E13), in der Marshall seinen Vater verliert, oder Symphony of Illumination (S07E12), in der Robin ihren nie geborenen Kindern erzählt, dass sie sie nie gebären kann. Das alles sind erzählerische Wendungen, die überraschen und für mich die Serie unheimlich sehenswert gemacht haben.

Nun ist es also vorbei und die Kinder äußern in ihrem Epilog genau das, was wir auch kritisiert hätten. HIMYM war nie die Geschichte, wie Ted die Mutter seiner Kinder trifft, es war eine Geschichte über die Gang und allen voran seine Beziehung mit Robin (sowohl platonisch als auch partnerschaftlich). Das ist schade, denn wir haben gerade in der letzten Staffel Tracy – die Mutter – so unglaublich lieben gelernt. Ich und viele andere hätten gerne mehr von ihr gesehen und von der Zeit, die sie teilten. Aber, wie mein Bruder heute beim Mittagessen richtig einwandte: Die Kinder kennen bereits ihre Mutter. Warum sollte Ted erzählen, wie sie gestorben ist, warum sollte er mehr als notwendig aus ihrer Kindheit erzählen? Die Kinder kennen ihre Mutter und mit Sicherheit auch ihre Geschichten. Es passt also ins Konzept, wenn all das zu kurz kommt.

Es ist wohl auch nicht notwendig, viel über sie zu erzählen, weil sie so zu sein scheint wie Ted. Sie lacht über die gleichen Witze und liest die selben Bücher. Es gibt wenige Lebensereignisse – ihre Buchveröffentlichung? – und Tätigkeiten – ihre Band? -, die sie individualisieren. Ansonsten wirken die beiden wie für einander geschaffen. Der gleiche Humor, das gleiche Verhalten, die gleichen Macken. Nach ihrer großen Liebe blieb Tracy sechs Jahre lang allein, bis sie mit Louis zusammenkam, der sie zurück „ins Spiel“ holte. Und dann kam Ted, ihre zweite große Liebe. Gleich wird es mit Ted ablaufen in seiner Erzählerzeit: Er hat sechs Jahre allein gelebt nach seinem „Hauptgewinn“, und nun kommt er zurück „ins Spiel“, auf Drängen seiner Kinder. Und natürlich ist es Robin. Es war immer Robin.

Wird das seine große Liebe? Nein. Sie waren nie für einander bestimmt. Aber Robin ist die Frau, die Teds Leben neue Richtungen gibt, neue Impulse. Es geht darum, nach dem ersten Hauptgewinn und dessen Verlust nicht aufzugeben. Es geht darum, Dinge zu akzeptieren, die sich nicht ändern lassen. HIMYM ist eine gute Serie, gerade weil sie uns kein perfektes Happy End für alle Figuren präsentiert. Gute Zeiten, mittelgute Zeiten, beschissene Zeiten; Manchmal kaum zu glauben, dass es vorbei ist (N).

Na jedenfalls habe ich Lust die Serie noch einmal zu sehen. Noch mehr zu entdecken, noch mehr zu spekulieren. Die 5,6 Episoden, die ProSieben jedentag über den Bildschirm flimmern lässt (ja, Kinder, Fernseher haben früher wirklich geflimmert.) (q) sind immer noch sehenswert. So, wie ich nach der letzten Folge Scrubs die ganze Serie noch einmal schauen konnte. So, wie ich bei Raumschiff Enterprise hängen bleibe, wenn es irgendwo läuft. Oder alte Simpsonsfolgen im Freundeskreis diskutiert werden und ich manchmal noch Friends schaue, nur um zu merken, was aktuelle Serien anders machen – oder genau gleich. So, wie wir neulich Six Feet Under nochmal schauten macht es immer noch Spaß, die alten Folgen HIMYM zu sehen. Es ist also nicht so, wie die hunderten enttäuschten Kommentare behaupten, dass das Finale die Serie ruiniert hätte. HIMYM war nie durchweg gut, aber es hatte – wie dein und mein und aller Leben – seine verdienten Höhepunkte.

Und nun, da die Serie abgeschlossen ist, lässt sich auch abschließend darüber reden. Oder Old-Ted-Fanfiction schreiben.

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Wie immer ein vernünftigeres Review gibts bei meinem Lieblingsserienblogger Blamayer.

Der thoughtcatalog erklärt, warum die Kritik am HIMYM-Finale nicht passt.

4 Antworten auf „Major Disappointment.“

  1. Ich glaube nicht, dass die Kinder die 30-jährige Tracy besonders gut kennen. Wenn ich an meine Eltern denke – ich kenne sie, wie sie heute sind, ich kenne Bilder und Dias und Geschichten – aber keine ausgiebigen. Ich habe kein genaues Bild von den Ausgehgewohnheiten, den Running Gags, oder der Romanze meiner Eltern. (Traurig eigentlich. Das muss ich nachholen.)

    Ich weiß ein wenig, wie mein Vater so als Kind tickte, aber das auch nur, weil ich ordentlich nachgebohrt habe. Das ist nicht das typische Abendbrot-Thema. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass Ted der Typ ist, der das dann beim Abendbrot gern mal anklingen lässt.

    Und ich denke schon, dass Robin eine der großen Lieben in Teds Leben ist. Eine Liebe, die zu jener zu Tracys ebenbürtig ist. Hätte Robin wollen, dann hätte Ted mit ihr seine Kinder gezeugt. Ted lernte, sie zu überwinden, nur um sie Jahrzehnte später, 6 Jahre nach Tracys Tod, dann doch noch zu bekommen – und das ist schon okay so. Das raubt IMO keiner der zwei großen Lieben an Bedeutung. „Moving on“ war bereits von Folge 1 weg Teil der DNA von HIMYM, und so schließt sich der Kreis umso schöner.

    1. Darüber lässt sich sicherlich streiten. Robin war meinem Eindruck nach nie Ted’s große Liebe. Sie war seine beste Freundin, seine Affäre, seine Motivatorin, der Angelpunkt, an dessen sich Ted’s Leben ausgerichtet hat, aber große Liebe? Nicht so wie Tracy. Mit Robin hat es nicht gepasst, egal, wie oft er es versuchte. Dabei könnte ich auch damit leben, wenn das Finale zeigen würde, dass er nach all den Jahren doch zu der Frau entgültig findet, die er von Anfang (der Serie) an geliebt hat. Aber ich glaube, das wird uns nicht gezeigt.

      Warum? Die Paralellen. Barney&Robin sind ein Paar – was nicht funktioniert – trennen sich und heiraten, nur um sich wieder zu trennen. Ted&Robin sind ein Paar – again and again and again and again … – und dann wiederholt sich diese romatisch-verblödete Blaues-Horn-Liebesgeschichte nochmal. Wir haben ausreichend häufig gesehen wie es scheiterte. Warum, ausgerechnet, sollte es jetzt funktionieren? Weil er jetzt Kinder hat? Weil sie „süß“ miteinander sind?

      Wenn die Serie uns zeigt, wie es in manchen Rezessionen kritisiert wird, dass sich nichts jemals ändert, weil Barney wieder Schürzenjäger ist und Ted wieder hinter Robin her ist, dann kann er sie wieder nicht bekommen. Wenn dieser Kritikpunkt nicht stimmt, dann sehe ich trotzdem keinerlei Anzeichen, dass es ausgerechnet jetzt klappen sollte. Denn… scheinbar hat sich nichts geändert.

      Was die Geschichte deiner Eltern angeht – und die Geschichte meiner Eltern -, so hab ich die Befürchtung, dass sie alle nicht so sehr aufs Geschichtenerzählen stehen wie Ted. Die Kennenlerngeschichte meiner Eltern beschränkt sich nämlich auf den Ort. Und wenn ich dann weiter nachfrage wird nur behauptet, man erinnere sich nicht mehr. Glaub mir, ich hab ausreichend häufig danach gefragt.

      Wenn ich meinen Kindern mal erzähle, wie ich meine_n Partner_in kennenlernte, dann erzähle ich die ganze Geschichte.

      1. Was nun anders ist zwischen Ted und Robin: Beide haben ihre Lebensziele erfüllt. Ted hat Kinder bekommen und erzogen, Robin internationale Karriere gemacht. Ihre unterschiedlichen Ziele waren von Anfang an der Grund, warum die beiden nicht langfristig funktionieren konnten, weil niemand von ihnen seinen eigenen Lebenstraum für den anderen aufgeben wollte – und das zurecht.

        Jetzt haben beide das bekommen, was sie sich als 25-Jährige vom Leben versprochen haben – aber das Leben geht weiter, und auch ihre Träume und Wünsche tun es, verändern sich. Nach 25 Jahren (Staffel 1 begann 2005) sind sie endlich dort angekommen, wo sie nicht nur ihre Chemie verbindet – sondern auch ihr Lebensweg. Teds Kinder sind nun Jugendliche, und für Ted beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt – für den er sich entschließt, ihn mit Robin zu verbringen. Die ist ihrerseits zwar mit ihrer Karriere glücklich, aber einsam – und auch sie ist bereit für etwas Neues. Etwas neues Altes.

        1. Hm. Ein Teil von mir möchte dir widersprechen – weil wenn es nicht von Anfang an passt, dann passt es nicht (Ted’s Eltern); ich glaube Ted und Robin wollen immer noch unterschiedliche Dinge, auch wenn wir nicht mehr wissen, was diese Dinge sind -, ein anderer Teil von mir sträubt sich dagegen, dir zu widersprechen, weil es sich anfühlt, als würde ich das nur tun, um nicht zugeben zu müssen, dass ich Unrecht habe.
          Die Indizien sprechen dafür, dass Robin und Ted am Ende doch funktionieren. Trotzdem macht es Spaß, sich darüber zu schreiten. Wahrscheinlich bin ich da doch zu sehr TV-Geek. ;)

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