Jeder weiß besser, wie du dein Leben zu leben hast. (II)

„Was kann man mit deinem Studium eigentlich machen?“

Uff.

Die Leute sehen „studieren“ heute immer mehr als Ausbildung, und nicht als Bildungsweg innerhalb eines Menschenleben. Zumindest tut das eine Freundin* von mir. (*Ja, ich bin mit allen Menschen befreundet. Und allen Katzen.) Sie fragte mich, wie schon häufiger, was ich mit meinem Studium machen könnte. Und ich erkläre ihr, dass man sich auf verschiedene Einstiegspositionen in diversen Firmen bewerben kann, hauptsächlich Praktikumzeugs, und dass man letztlich Bindegliedfunktion haben kann, beraten, übersetzen, beobachten, verbinden. Aber sie fragt weiter und weiter, und ich habe das Gefühl, sie ignoriert meine Antworten, weil sie glaubt, dass ich mir nicht darüber bewusst wäre, dass Studium allgemein nichts bringt und in diesem speziellen Fall zwar intellektuell und holistisch alles besser macht, aber eine Stelle finde ich deshalb nicht. (Aber das weiß ich.) Und sie fragt, wie viel ich zum Leben habe, und ich erzähle von dem Geld, was ich von meinen Eltern bekomme (das Kindergeld) und dass ich auch ein bisschen Arbeite und dass ich durch Mieterlass und Stütze durch meinen Bruder mir das Leben halbwegs leisten kann, aber auch nicht das Bedürfnis habe, sehr viel mehr verdienen zu wollen.

Aber sie versteht das glaube ich nicht. Dass mir Bildung wichtiger ist als finanzielle Verwertbarkeit, dass mir Hinterfragen wichtiger ist als Anerkannt zu werden, dass mir Ruhe wichtiger ist als um die Häuser zu ziehen, dass ich auch mit ungewisser Zukunft gut leben kann. Zumindest besser als im Irrglauben, mit etwas, was ich hasse, mein Leben verbringen zu müssen, weil man das halt so macht.

Vielleicht verstehe ich das aber auch nicht. Vielleicht bereue ich diese Zeit einmal als große Zeitverschwendung, vielleicht hasse ich mich irgendwann dafür, keinen Führerschein gemacht und keine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Vielleicht bereue ich, nicht so viele oder gerade so viele Bücher gelesen zu haben. Vielleicht bereue ich es, so ehrlich zu mir gewesen zu sein. Oder soviel gelogen zu haben.

Vielleicht kann ich mit meinem Studium eigentlich gar nichts machen. Aber, dann wieder, passt es doch recht gut zu meinem Leben.

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