Werbung als Kunst ohne Ziel

Mein Bruder und ich, unsere kleine WG, diskutiert viel über Werbung. Zumindest texte ich ihn damit häufig zu, nicht, weil das interessant wäre, oder wichtig, sondern gerade, weil es das nicht ist.

Werbung ist manipulativ. Sie dient dazu, uns davon zu überzeugen, Produkte zu kaufen, die wir – vielleicht? – nicht kaufen würden. Werbung soll uns dazu treiben, Dinge zu wollen, Dinge zu lieben, uns nach Dingen zu sehnen. Werbung vermittelt Gefühle, gute Gefühle, die wir mit den Konsumgütern verbinden. Eine ganze Heerschar an Leuten arbeitet daran, dir und mir und allen Dinge zu verkaufen. Riesiger Aufwand, Zeit und Geld wird darin investiert, und wir fragen uns – vielleicht zurecht – ob diese Mittel nicht besser aufgehoben wären in der Verbesserung des eigentlichen Produkts, anstatt dessen Anpreisung.

Dann wieder: Haben die Leute etwas besseres verdient? Wenn ich im Supermarkt stehe, dann weiß ich nicht was ich kaufen soll. Ich weiß nicht, was ich jeden Tag kochen soll. Auf welchem Handy ich im Bett einen Film schauen soll. Und welchen Film. Werbung ist vielleicht der willkommene Gast, der dich an die Hand nimmt und zu Entscheidungen führt, die du nicht bereit wärest einzugehen, wenn du sie dir selbst erdenken müsstest.

Ich sehe Werbetreibende als Künstler, die ihr Schaffen zu Geld machen. Daran ist zunächst nichts verwerfliches, weil damit dennoch mehr Nutzen als Schaden entstehen kann. Aktuell sehe ich aber mehr Schaden.

Das mag daran liegen, dass ich zunehmend pessimistischer werde, ein Nörgelrenter in schlechten Times, ein Reimeschreiber ohne Rhymes, ein Zombiejäger ohne Grimes, halt Verbrechensjäger ohne Crimes, und auch mies drauf sometimes‘, doch alles nur White Whine’s… Jetzt hab ich den Faden verloren.

Kulturschaffende – also letztlich wir alle bis zu einem gewissen Grad – tragen eine Verantwortung gegenüber allen. Nur das Gute als gut zu verkaufen. Dies haben, bis zu einem gewissen Grad, Werbeschaffende gebrochen. Sie haben ihre Ehrlichkeit verspielt, und damit gesamtgesellschaftlich großen Schaden angerichtet.

Deshalb muss Werbung kritisiert werden. Nicht, weil es Werbung ist, sondern weil sie unehrlich und unredlich ist. Werbung wird geschaffen von Künstlern, Psychologen und Sozialwissenschaftler, die ihr Schaffen verkaufen, nicht zur Besserung, sondern nur für die eigene Bereicherung.

Uncool, man, uncool.

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