Breitmachen im öffentlichen Verkehrsraum.

(Geschrieben im Januar 2014)

So wie 2000dings DJ Tomekk für HipHop lebte, lebte ich 2013 für öffentlichen Nahverkehr. Es schleuderte mich durch Busse, ich klammerte mich an Haltestangen, Sitze und andere Mitfahrer. Ich zerstörte versehentlich einen dieser Plastik-Dinger, in denen Flyer und andere Informationspapiere drin stehen, ich wartete, ich verpasste zahllose Busse und ich rannte so unglaublich oft. Ich liebte den öffentlichen Nahverkehr. Denn man trifft dort täglich 100 unbekannte Leute. Begegnungen die ich scheute bis heute, doch jetzt weiß ich was die Stadt für mich bürgt. Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten im Bus, manchmal lasse ich die Stadt an mir vorüberziehen, manchmal lächele ich zurück. Manchmal erblicke ich cute Jungs und Mädels, und sende auch mal selbst ein Lächeln los. Manchmal lächeln die Leute zurück, was mich immer sehr verwirrt und mit dem ich überhaupt nicht umzugehen weiß. Aber das ist wahrscheinlich ok und ziemlich normal.

Men taking up to much space on public train

Es gibt Dinge, die mache ich aber immer noch sehr ungerne, vermutlich, weil ich nicht im öffentlichen Nahverkehr aufwuchs, sondern praktisch in ihn einwanderte. (Daher schleudert es mich auch immer noch wie einen jungen Seemann über Bord, wenn ich bei schneller Fahrt versuche zur Tür zu gelangen). Eine dieser ungernen Dinge ist es, mich zu anderen Menschen dazu zu setzen. Viele Leute setzen sich auch im vollen Bus auf den äußeren Sitz und sagen so völlig verständlich, „Fick dich, ich sitze hier.“ Dieses übermäßige ausbreiten im geteilten öffentlichen Raum ist keine reine Genderfrage, aber sicherlich eine untersuchenswerte.

Übrigens mache ich mich auch manchmal zu breit im Öffentlichen. Manchmal, weil Züge abends völlig leer sind und ich viel zu viel Zeug dabei habe (wie im Bild), manchmal völlig unbeabsichtigt. Manchmal stehe ich auch blöd im Weg rum, insbesondere, wenn sich der Bus für mich völlig überraschend leert – oder eben nicht.

Ob man das Ausbreitungsbedürfnis in einem geteilten, öffentlichen (oder halböffentlichen) Raum wirklich an einem Gender festmachen kann? Ich versuche mich zu erinnern, und mir fallen kaum Geschlechterunterschiede auf. Ob die Körper der Mitfahrenden sich groß machen, diese ihre Sachen weit verteilen (oder wie im vollen Hörsaal einen Platz für ihren Rucksack belegen) oder einen leeren Platz neben sich verteidigen, macht im Ergebnis keinen Unterschied.
Jede_r breitet sich – manchmal – aus. Ich verfolge sehr gerne Shaming-Tumblrs wie men taking up too much space on the train, weil ich mir über meine eigenen Fehler und Fehlerchen dadurch bewusster werde.

Aber… Hm.

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