Fracking ist Zynismus.

Angenommen, ich hätte eine neue kleine Firma, und würde zur Umweltbehörde gehen und sagen: „Guten Tag, ich habe ein Verfahren entwickelt, wie ich Gas aus der Erde holen kann. Ich muss dazu einfach nur unter hohem Druck Gifte in den Boden drücken.“ Man würde mich auslachen oder einsperren lassen. Aber wenn Chevron, wenn ExxonMobil und all die anderen Konzerne so etwas vorschlagen und machen, dann ist das alles kein Problem. Es heißt: „Nur nicht in Wasserschutzgebieten“ und „unter strengsten Auflagen“. Aber wir wissen, was das heißt.

Ich bin kein Experte und ich bekomme kein Gehalt von einem der Energieerzeuger oder einem der Gaskonzerne. Ich weiß nicht, ob Fracking nicht vielleicht eine sehr umweltschonende, ertragreiche und sinnvolle Sache ist. Mit Sicherheit werden sich alle Bierbrauer in unserem Ländle freuen, wenn sie ihr Wasser auch anzünden können, wie so mache in den USA. (Ob dies tatsächlich am Fracking liegt oder nicht weiß ich nicht und will ich auch nicht behaupten.)
Was mich viel mehr stört ist die von Grund auf zynische Grundvoraussetzung des Fracking. Denn weitere und höhere Erdgasförderung bringt vor allem eins mit sich: Eine Unnötige Verlängerung der Zeit, in der wir keinen besseren, umweltverträglicheren Energieträger nutzen. Die Georesourcen sind begrenzt und es ist unsinnig, dass ausgerechnet wir alles davon aufbrauchen. Es gibt genug alternative Energieträger, aber durch Fracking und das dadurch angeblich günstige Erdgas werden andere Energieträger, andere Stromquellen, andere Heizmöglichkeiten benachteiligt oder sogar verhindert. Eine bessere Energieversorgung zu behindern, weil man damit immer noch das bessere Geschäft machen kann, weil man an einem zerstörten Planeten mehr verdient, ist zynisch.

Vor etwas über einem Jahr überlegte Exxon noch, in einem Wasserschutzgebiet in Niedersachens zu fracken, im selben Jahr sahen sie sich auch eine geeignete Stelle in einem Dorfkern an. Und wir kennen das: Wie unsere ganze Welt weichen muss, damit ein Brennstoff abgebaut werden kann. Seit Jahren müssen ganze Städte umziehen, weil wir über Tage Braunkohle abbauen. Und natürlich mussten für den Drei-Schluchten-Staudamm in China auch Städte weichen und die Schweden rebellierten gegen die durch all die Wasserkraftwerke zerstörte Natur. Und natürlich ist Atomstrom nicht besser. Wir wollen nicht zurück zu Kohle, Gas und Öl. Den Planeten zu zerstören, den wir unseren Kindern weitergeben wollen, ist zynisch.

Februar 2014, Bobtown, Pennsylvania. Ein Fracking-Bohrloch explodierte, ein Mitarbeiter der Firma Chevron verbrannte bis zu Unkenntlichkeit und fast eine Woche dauerte es, bis das brennende Bohrloch durch eine Spezialfirma gelöscht wurde. Die Umweltbehörde durfte das Grundstück nicht betreten, weil die giftige Brühe, die sie in die Erde drücken, ja Betriebsgeheimnis ist. Und die Anwohner, die drumherum tagelang giftige Dämpfe einatmen mussten, die die Explosion hörten, die wussten, dass dort jemand verstorben war? Sie bekamen als Entschädigung einen Gutschein über eine Pizza und einen Softdrink.

Ich finde das zynisch. Aber, ich bin wohl auch selbst zynisch. Teil des Systems, wenn du so willst. Ich bin nicht besser, wir heizen auch mit Öl und bei uns brennt das Licht und… ach… scheiße.

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