„Wer nach allen Seiten offen ist kann nicht ganz dicht sein.“

(Geschrieben im Oktober 2012)

„Eigentlich halte ich mich für relativ tolerant. Ich beschäftige mich leicht stärker als mein direktes Umfeld mit Feminismus- und Gerechtigkeitsthemen, ordne mich politisch eher links ein und fühle mich eher der unteren Mittelschicht zugehörig (wenn überhaupt).

Die Frage, die sich mir seit einem Besuch des ALDI stellt, ist recht einfach: Wo hörts bei mir auf? Welche Indiologien (Indie/Idiologie? Oder ein Schreibfehler?), welche Meinungen, welche möglicherweise Fehleinschätzungen würde ich – unter normalen Diskussionsbedingungen – nicht aufgeben wollen. Darüber zu spekulieren, was überhaupt nicht aufgegeben werden kann, egal was passiert, halte ich für unsinnig.

Das Grundgesetz? Würde ich sofort aufgeben. Nicht, weil das Grundgesetz Unsinn wäre oder die Mängel darin nicht überwunden werden könnten. Aber, wenn eine bessere Verfassung möglich wird, wenn die Gegebenheiten eine – beispielsweise eine EU-Verfassung – nötig machen würden, die die Werte des Grundgesetz nicht auslöscht, sondern noch übersteigt, dann würde ich lächelnd das Grundgesetz wegwerfen. Würde sich herausstellen, dass die neue Verfassung keinen Wert hat, würde ich aber auch sofort mich – vielleicht sogar gewaltvoll – dafür einsetzen, die „alte Ordnung“ wiederherzustellen.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das würde ich unterschreiben. Vielleicht auch: „Die Würde des Lebens ist unantastbar.“, auch wenn eine solche Formulierung problematisch wäre. „Die Würde des Menschen“ ist aber nicht weniger problematisch. Schließlich lässt sie die Möglichkeit offen, über die Anpassung des Menschen-Begriffs die Würde einzelner nun Nicht-Menschen einzuschränken – so wie ja Frauen zunächst nicht inbegriffen waren.

Ich habe kein Problem damit, dass Menschen sterben. Ich habe auch kein Problem damit, dass Tiere getötet werden. Ich bin aber der Meinung, dass Tiere – egal ob für den Verzehr, die Zucht oder als Haustier gedacht – eine Würde haben sollten.

Und dann? Abgesehen von der Würde der Lebewesen? Letztlich also ein Respekt vor dem Seienden und einem selbst. Abgesehen davon? Abgesehen davon scheint für mich alles – relativ – verhandelbar. Über die Lebendwürde und die daraus resultierenden Notwendigkeiten lässt sich mit mir aber nicht reden. Lebendwürde, dazu gehört Respekt vor dem Seienden. Respekt also vor allem vor Mitmenschen, vor Tieren, Pflanzen, der Natur, all dem. Dazu gehört dann aber auch, dass ich niemand als Person angreife. Ich kann die Rolle, die eine Person einnimmt, in der Luft zerreißen. Ich kann „ACAB“ brüllend durch die Stadt ziehen und ich kann einen Burschenschaftler aus übelste kritisieren. Genau, wie ich auch anderen zugestehe, mich zu kritisieren. Wenn die Diskussion aber vorbei ist, dann gehe ich mit dieser Person auch gerne noch ein Bier trinken.

Das ist für mich eine notwendige Unterscheidung. Personen und ihre Ansichten, Personen und ihre Taten sind niemals deckungsgleich. Es kann durchaus sein, dass ein Massenmörder ein ganz wunderbarer Abendgast ist.

Andererseits, wie soll man „schlechte Taten“ behindern oder kritisieren, wenn man danach mit den Tätern auf Du-und-Du ist? Alles nicht so einfach.“

„Lass uns da mal bei einem Bier drüber reden.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.