Wir brauchen mehr politische Katzenvideos!

(Titel zitiert nach einem Tweet von René)

100_0329

Unsere Sprache ist verloren. Nazis machen sich in Montagsdemos montäglichen Demonstrationen breit, Demokratiefeinde ziehen ins Parlament ein, die Sozialdemokraten haben uns verraten (again), die NSA überwacht uns wie ein_e verrückte_r Ex-Freund_in, überall nur Phrasen und was wir glaubten zu wissen wird verändert und verwaschen und the Bullshit is rising – again.

Eine ganze Generation interessiert sich nicht mehr für Politik, wohl, weil es umgekehrt auch so ist. Die Kinder unserer Eltern sind in keinen Krieg gezogen, aber auf dem Schlachtfeld Arbeitsmarkt mussten sie überleben. Sie haben keine Panzersperren errichtet und Gräben gebuddelt, aber sehen müssen, wie ihre Firewall einbricht gegen die Übermacht eines fremden – und des eigenen – Staats. Die, die heute ihren Schulabschluss machen, wissen gar nicht mehr wie es vorher war. Sagen, wenn wir gegen Hartz IV aufstehen, ob man die Arbeitslosen den verhungern lassen solle? Wir können die Mario Barths, die Schlecky Silbereisens, die heftig.co’s und Facebook-Nasen nicht einfach Französische-Revolution-Style beseitigen, denn das hat damals schon nicht viel genützt.

Nein. Wir müssen in das Dumme eindringen, den Bullshit übernehmen und ihm Inhalt geben. Wir brauchen wieder Märchen, die zeigen, wie Leben sein soll und kann. Wir übernehmen die Sprache, die Botschaften. Die Menschen müssen wieder begreifen, dass es Gerechtigkeit gibt, wenn wir sie geben und fordern. Und dass es mir nicht gut geht, wenn es meinem Nachbarn dreckig geht. Wir brauchen Vorbilder, die sich nicht an gewerblichem Erfolg, sondern an moralischer Größe messen lassen. Wir müssen das Game übernehmen – und ja, du hast gerade verloren.

Katzenvideos müssen politisch werden. Nicht so, dass es niemand versteht, nicht inhaltsleer und unverständlich, sondern so, dass wir die Menschen da abholen, wo sie sind. Wir brauchen Pornos über Frauenrechte und mehr Videos von Thilo Jung.

Und ich erkläre hiermit alle lustigen Katzenvideos zur politischen Botschaften. Wir werden rausgehen und „Oh long Johnson“ rufen, weil unsere alten Parolen niemand mehr hören will. Weil „Hoch mit der internationalen Solidarität“ so alt klingt und „Schwerter zu Pflugscharen“ niemand mehr versteht. Während wir mit den alten Mittel nichts erreicht haben und Stück für Stück alte Errungenschaften verlieren, kopieren unsere Gegner_innen das letzte, womit wir erfolgreich waren. Und die breite Masse versumpft vor Bildschirmen. Wir holen niemand raus auf die Straße mit den Mitteln, die schon seit Jahren nicht mehr ziehen.

Kurz gesagt:
Raus mit dem Bullshit. Rein mit den Katzenvideos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.