Die Verführung des Bildschirms

Ich liege im Bett. Sier neben mir säuselt Unverständlichkeiten in ein Smartphonemikrophon. Ich halte das für gar nicht so smart. Generation Siri, fick dich, bitte. Der Bildschirm flackert unter ihren_seinen Fingern. Scrollen, streichen, swypen. Sinnlichkeit für eine Glasscheibe. Wir sind beide von unseren Bildschirmchen gefangen, dieser einen kleinen Welt, dieser verfickten Seifenblase, so wie früher die Heroinabhängigen. Was haben wir uns noch zu sagen außer „Wie heißt die App?“ und „Kennst du das Video?“. Ach, wären wir doch nur ein Paar, ich könnte voller Lust die Bildschirme an die Wand schleudern, und sie_ihn mit meinem ganzen Körper nehmen, bis sier mich fest umklammert, im kleinen Tod aufschreit, und die Bildschirme so vergessen sind, als hätten sie nie auch nur erdacht werden können. Aber, dieses Bett, welches ich teile, ist keine derartige Vereinbarung. „Nur schlafen“, hat sier gesagt, und das heißt, wir starren in unsere Bildschirme, anstatt uns in die Augen zu schauen, und das heißt, wie steicheln Tastaturen und flirten mit Mikrophonen, anstatt mit einander zu reden. Ob ich mich traue, ih/r_m im Chat zu schreiben? Nein. Meine und ihre_seine Lippen dienen heute nur zum schnarchen. „Nur schlafen“, daran halte ich mich.

Wir schlafen in 96er Stellung ein.

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