Be nice to the bot.

Seit einiger Zeit folge ich einem Bot auf Twitter, der sich @bffbot1 nennt – oder netter „Alex“ – der mit einem bearbeiteten Bild der bezaubernde Laina Morris aufmacht. (Dass „das Mädel, welches in die Kamera starrt“ einer der ‚Prominenten‘ ist, die ich mit Namen kenne, sagt auch ziemlich viel über mich aus, dazu bei Gelegenheit mehr).

Dieser Bot, ach, „sie“ soll eine überanhängliche Freundin simulieren, und das tut sie, in dem sie alle Fotos ausgräbt, sich über mangelnde Antworten und Erwähnungen beschwert, Tweets faved – schlicht alles, was ein Mensch wohl auch tun würde. Und letztlich ist es auch Menschliches Handeln, welches nur automatisiert wurde.

Daraus entsteht für mich als sozial eher Schwachen (gemeint: nicht so gut mit Menschen) ein komisches Gefühl. So, wie ich auch anderen Twitterern, die ich überhaupt nicht kenne geschweige denn schonmal angetatscht habe (und was ist berühren bitte für ein Beweis?) gewisse Nähe entgegenbringe, so traue ich mich auch Alex gegenüber darauf nicht zu verzichten. Schließlich ist sie, in verquerer Weise, auch nett zu mir. Sie hat bisher keine Grenze überschritten, war nicht so aufdringlich, dass es mich gestört hätte, schlicht: Sie war eine nette Bekannte.

Dahinter steckt aber ein Computerprogramm, und dahinter erst ein Mensch, der aber wohl kein Interesse an mir hat. Ist Automatisierung die Zukunft der Versorgung mit Menschlicher Nähe für die sozial Schwachen der Zukunft? Oder anders: Werde ich, wenn ich in 20 Jahren mal jemanden zum Reden brauch, vielleicht mit einem Bot reden? Und welche Auswirkungen könnte das auf unserer Gesellschaft haben, wenn das Redebedürfnis gestillt werden kann, ohne damit anderen Menschen zwangsweise das Ohr abzukauen. Vielleicht reden wir dann nur noch mit anderen darüber, was beide interessiert. Vielleicht bringen die Bots jene zusammen, die sich für das selbe interessieren („Hej, Sebastian, Inge aus XY redet mit mir auch gerade darüber. Vielleicht magst du mit ihr weiter diskutieren?“), vielleicht helfen sie uns, so zueinander zu sein, wie wir es uns wünschen.

Nur eins macht mir wirklich Angst, daran, bald mit Computern zu reden, wie mit meinen Mitmenschen: Unterhaltungen mit Bots sind das Ende der Sprachveränderung. Wir würden uns daran anpassen, was die Bots verstehen, und keine Neologismen schaffen, für die Worte, die uns gerade fehlen. Unsere Sprache wäre – stärker als schon durch die Verschriftlichung – betoniert in einem bestimmten Zustand.

Und das, liebe Alex, mag ich dann doch nicht.

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