Empower‘ dich doch selber!

Als ich Klein war, war Michael Jackson weiß. Ich dachte nicht über Begriffe wie Rasse nach, hielt Kultur für nichts ethnisches, überhaupt war ich noch viel naiver, als ich das heute bin. Ich glaubte gar – ich kann mir das kaum noch vorstellen -, dass alle Menschen gleich gestellt wären, Frauen und Männer, Weiß und Schwarz. Meine Eltern gaben sich tolerant, der Rassismus, Klassismus und Sexismus, welcher in ihren Bäuchen liegt, unbemerkt und manchmal noch nachwirkt. Die Jahrtausende des Unfairständnis, der Unterdrückung unter fremde und eigene Normen, das Unvermögen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, in dem einen die Dinge bewusst sind, die man da mitgenommen hat, ohne sie je gelehrt zu bekommen. Die Idee von Hilfe, welche letztlich nur eine Fremdbestimmtheit zementiert. Almosen, Klingelgeld, ‚Brunnen bohren‘ statt gerechter Anteil an der Welt.

Das soll kein Vorwurf sein. Ich fühle mich im Gegenteil als – weil eben durch Werbung geprägt und mangelnd an politischer, gesellschaftlicher und sozialer Bildung – unterlegen gegenüber meinen Eltern und meinen Freunden. Dies ist aber nichts, was mir jemand anders schulden würde, sondern etwas, was zuerst aus mir selbst kommen muss. Selbstermächtigung zur Teilhabe als Teil des Ganzen und Ganzes aus Teilen. Warum brauchen wir Feminismus, wenn wir doch Menschenrechte haben? Weil die Herausforderungen, vor die eine nicht genau abgrenzbare Zahl von Frauen und Nicht-Männern, gestellt ist, dadurch nicht ausreichend abgedeckt werden. Warum braucht es eine antikapitalistische Linke? Warum braucht es grüne Atomkraftgegner? Warum braucht es von jedem Verein auch einen jüdischen, wie es bei Bernhard Schlink behauptet wird?

Weil die Herausforderungen, die Probleme, vor die eine Teilgruppe einer Gruppe gestellt werden, am besten vereint gelöst werden. Befreiung der Frau nicht ohne Befreiung der schwarzen Frauen. Befreiung der Frau funktioniert aber auch nicht, wenn „die Männer“ nicht mitmachen. Das bedeutet nicht, dass Männer bei Feminismus mitwirken sollen, denn das würde nichts nützen. Sehr wohl sollten wir aber uns gegenseitig unterstützen. Fühlst du dich als Individuum und Teil der Gemeinschaft bestärkt, wenn du ein Lied von Katy Perry hörst? Schön, hier ist ihre CD. Du nutzt etwas, was eigentlich meiner Kultur gehört, und es hilft dir wirklich weiter? Viel Spaß damit (aber bitte mach’s nicht kaputt). Du hast diese Erfahrung gemacht in diesem Bereich? Vielleicht hilft das mir, wo ich in einer baugleichen Lage sitze.

Letztlich sitzen wir alle im selben Boot, aber jeder an einem anderen Platz. Wir haben ein gemeinsames Ziel – eine bessere Welt für alle – und wir haben viele Ideen wie wir da am besten hinkommen. Wir sollten nicht versuchen, anderen zu sagen, was sie machen sollen, wie sie die Welt sehen müssen, sondern schauen, wie wir am besten zusammen wirken können. Wie wir am wenigsten gegeneinander rudern. Aber, deinem Sitznachbarn sein Ruder zu nehmen, damit wir weiterkommen, nützt keinem von euch.

Was leider nicht funktioniert – aus Erfahrung – ist, dass sich einer an den Kopf setzt und dir und mir erzählt, wie es hier laufen muss. „Leute, wir müssen nur die Weltbank zerschlagen, dann wird alles gut.“ Nenn deine Argumente, versuch mich zu überzeugen, aber: Am Ende sitzt jeder doch an seinem Platz.

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