Mein Hirn blutet in Fontänen.

Du schreibst einen Text.
Du liest diesen Text.
Du veränderst diesen Text.
Du liest diesen Text.
Du veränderst diesen Text.
Du lässt jemand anders deinen Text lesen.
Du korrigierst Fehler, machst neue, schreibst neues.

Irgendwann beginnst du deinen Text zu hassen. Ich hasse mein Essay über „Der standhafte Zinnsoldat“. Ich hasse jede einzelne Zeile. Ich bin ein bisschen stolz, weil ich meine Deutungen logisch und schlüssig und noch dazu spannend finde. Aber ich hasse den Text. Ich hasse diesen Text. Ich hasse jedes einzelne Wort, jede Formatierung. Ich hasse ihn. Ich hasse ihn. Ich kann diesen Text nicht mehr sehen.

Bücher werden nicht fertig, weil sie zuende geschrieben werden, sondern weil Menschen eine Deadline bekommen, oder selbst am Schreiben sterben.

Ich hasse diesen Text. Ich hasse den Zinnsoldaten und die Tänzerin. Es ist ein wunderschöner Text. Aber ich hasse ihn. Ich hasse, dass ich nicht mehr aufhören kann, darüber nachzudenken.

Ich weiß, was an meinem Text schlecht ist. Welche Worte ich wechseln müsste. Und welche ich dann tauschen würde, weil sie nicht mehr zu den gewechselten passen. Und wäre ich am Ende, müsste ich zum Anfang. Am Schluss, wenn der Text fertig wäre, dann wäre er so gut, wie ich ihn nur machen kann. Aber bevor der Text fertig ist, bin ich es. Müsste ich ihn noch einmal lesen, müsste ich noch mal verbessern, dann würde mein Hirn bluten in Fontänen. Aber ich wäre standhaft.

Denn es ändert ja doch nichts.

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