Das gebrochene Herz einer kleinen Katze

Mein Vater hat eine Katze namens Elisabeth, die ich so oft es mir möglich ist besuche. Das ist unfair gegenüber meiner Familie – insbesondere meinem Bruder -, die währenddessen in der Gärtnerei arbeiten, aber sind sie so ehrlich zu mir wie ich es bin, so müssten sie zugeben, dass ich zu wenig mehr in der Gärtnerei zu gebrauchen bin als ihre Katze zu streicheln. Den „Streicheln, Kuscheln und Schmusen“, sagte eine Ex-Freundin, „ist auch Arbeit.“

Nun blieb heute nicht so viel Zeit, dennoch setzte ich mich nieder und streichelte Elisabeth. Hinter den Ohren und an den Backen, wo sie es besonders mag, aber auch überall sonst. Egal welchen Körperteil sie mir hinhielt, ich kraulte bereitwillig und sie zeigte durch ihr Schnurren – zuerst leise, dann sehr laut – ihre Zustimmung.

Jedoch konnte ich wie gesagt nur kurz bleiben. Ich erzählte ihr ein bisschen etwas auf Schwedisch, von meiner zerbrochenen Brille und der Arbeit auf der Baustelle. Ich begann langsam, wechselte Kraultempo und -stärke und ließ es letztlich nach einigen Minuten, die wohl das Highlight meiner Woche waren, langsam ausklingen. Langsam strich ich ihr noch einmal über den Rücken und ging dann langsam zur Türe.

Ich verließ die Katze Elisabeth mit einem „Vi ses“ und „God natt“, schloss ab und sah sie doch noch durch die Glastüre dort sitzen. Genau da auf dem Tisch, wo ich sie gekrault hatte, saß sie nun aufrecht und blickte mich an. Blickte in mich hinein. Blickte mir ein Loch ins so oft gebrochene Herz hinein. Wie konntest du mich nur so verraten? An meine schlimmsten Feinde hast du mich verraten. Mich und meine Familie. Wie konntest du nur. Die kleinen Augen blickten mich an. Verrat. Judas. Judas! Verrat!

Ich hatte ein so schlechtes Gewissen wie selten. Ich hätte ein Foto machen sollen, und es auf jedes abgebrochene Buch, jede unvollendete Hausarbeit, jeden noch nicht gemachten Abwasch kleben. Ich könnte diesen Blick nicht ertragen.

Ich weiß dass mir Elisabeth verzeihen wird – zumindest hoffe ich das -, auch wenn es Zeit brauchen wird, und ich weiß dass ich sie wieder so verraten werden muss. Ich werde gehen müssen und jedes mal wird mein Herz noch einmal brechen.

Warum sind es eigentlich immer die jungen Frauen mit den Schnäuzern, die mir so den Kppf verdrehen?

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