Nichts könnte mir egaler sein als dein Körper.

[Triggerwarunung: Sexismus, Objektifizierung.]

Shit.

Menschen existieren in materieller Form mit einer Hülle, die wir gemeinhin Körper nennen. Wir behandeln sie wie Avatare oder Facebookprofile, hübschen sie auf, trainieren und strängen uns an, sie besser zu machen. Es wäre wünschenswert, dass einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist innewohne.

Ich wurde zu spät geboren um die Weltmeere oder auch nur unseren verdammten Mond zu erkunden, aber zu früh für andere Galaxien. Das steht in einem dieser Imageboards und ich fühle mich ein bisschen schlecht, dass ich auch ein bisschen Zeit, in der ich in diesem Körper festsitze auf solchen Seiten verbrachte. Ein anderes Bild verkündet stolz, dass wohl keiner seiner Vorfahren so viele Brüste gesehen hat wie er selbst. Es mag vieles schlimm sein – die Wirtschaft, die verschmutzte Umwelt, die entmenschlichende Kommunikation mit und durch Computer, aber… immerhin Boobs.

Ist das letztendlich Objektifizierung oder Objektivierung? Also, entmenschlichen wir Menschen, in dem wir die Trägerorgane – nämlich Körper – ihres Daseins lediglich als Körper betrachten, die vergleichbar, einzuordnen usw. sind? Oder ist das letztlich doch entscheidend? Anders gefragt: Kommt es auf die Hardware an?

Weder kann ich einen fremden Körper besitzen, noch kann ich über einen fremden Körper bestimmen (bzw. sollte ich das nicht können), noch hat ein anderer Körper irgendwas, was ich nicht kenne (bzw. selbst mit größer Anstrengung kann ich nicht mehr davon kennen). Es ist schön, wenn mir jemand seinen Körper zeigen möchte, so wie es schön sein kann, jemanden meinen Körper zu zeigen. Aber letztendlich sind mir fremde Körper wie fremde Autos. Ich kann darin nichts interessantes erkennen. Das Zeigen, Befühlen, wenn dies gewünscht ist innerhalb einer Beziehung, ist ein Kommunikativer Akt. Ein „Schau mal was meins ist“, mehr nicht.

Was daran interessant sein soll, kann ich wirklich nicht erkennen.

Jedoch versuche ich zu respektieren, wie Menschen damit umgehen. Wenn sie nicht wollen, dass man ihre Haare oder Handgelenke sieht. Wenn sie sich nicht – wenn ihnen warm ist – den Pulli ausziehen wollen, weil man ja – Oh Gott! einen BH sehen könnte. Wer seinen Körper zeigen will oder verstecken, der soll das tun. Ist mir egal.

Ich hasse es, dass impliziert wird, weil ich ein „Mann“ sei, müsse ich mich grundsätzlich für alle Brüste und alle Hintern und jeden Körper interessieren. Dabei interessiere ich mich nur für jene Körper, deren Menschen mich interessieren – beziehungsmäßig, sexuell, „körperlich“, wie man das nennen mag. Und mir ist egal, ob das nun ein Frauen*körper oder ein Männer*körper ist. Wenn beidseitiges Interesse besteht, und man das bekundet, und auslebt, dann – dann! – ist mir jener Körper nicht mehr egal. Wenn aber kein solches Interesse besteht, sondern Freundschaft, Bekanntschaft oder schlicht nichts: Warum sollte ich mehr über dein Was-auch-immer nachdenken, als über Arbeitsschuhe oder Fruchtkonfekt?

Denn das ist deins und das ist meins. Ich kann deinen Körper sehen, kann sehen wie du versuchst durch Schmuck für diesen, durch Kleidung, durch wachsen lassen oder schneiden von Haaren, auszudrücken, wer du bist, wer unter der Haut steckt. Das ist schön – aber wenn ich mich nicht für deinen Körper interessiere, dann ist mir das egal. Weil ich mit dem Menschen darunter befreundet bin – oder du nur ein Fisch im Meer bist.

[…]

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