Wie ich einmal versuchte einem Freund Catcalling zu erklären.

Katze

Neulich erklärte ich einem Freund den Unterschied zwischen Catcalls und Flirten. Ich habe nicht versucht, ihm zu erklären, was Objektifizierung bedeutet, sondern versuchte möglichst einfach begreifbar zu machen, warum ich sein Verhalten nicht nur nervig, sondern verachtenswert finde.

Ich sagte ihm, dass wenn er einer Frau irgendwelche Dinge zurufen würde, dass er sich damit unter Wert verkauft, denn ich wollte ihn über sein Ego überzeugen. Wenn du jemand Fremdem scheinbare Komplimente zurufst – aus dem Auto, von der anderen Straßenseite -, dann rufst du damit auch: Ich traue mich zu keiner echten Konfrontation. Ich fühle mich nicht wert genug, dich ebenbürtig anzusprechen, sondern behandele dich wie ein Tier. Dann fragte ich ihn, ob er sich vorstellen könne, warum man das „Catcalls“ nennt, und fragte, ob er schon einmal versucht habe, eine Katze zu rufen. „Das funktioniert einfach nicht.“

„Zusammenfassend“, hob ich an um meinen Erziehungsratschlag abzuschließen, „wertet dich das ab, du wertest damit die angesprochene Person ab, es funktioniert nicht und in 99,999% der Fälle führt es nur zu mehr Schlechtem statt mehr Gutem. Also, lass es bitte.“ (Sinngemäßes Zitat)

Ich forderte ihn nicht auf, sich in die angesprochenen Frauen hinein zu denken. Dass wäre für ihn nicht möglich, ebensowenig, wie ich wissen kann, wie es ist, eine Frau zu sein (ebenso weiß hoffentlich niemand wirklich, wie es ist, ich zu sein. Ich weiß das ja nichtmal selbst).

Einige Stunden, nachdem ich ihm so den Kopf gewaschen hatte, flirtete eine junge Frau mit ihm, und ich merkte, wie er zumindest vor mir und unter dem Eindruck meiner Schelte sich nicht recht traute, ihr ebenso zu begegnen. Dabei lief alles so, wie es sein sollte. Kein Anspruchsdenken, keine Objektifizierung, keine Hierarchisierung, einfach ein nettes Gespräch zweier Fremden – und ich wusste, dass er wohl an ihr Interesse gehabt hätte und damit ihr Interesse erwidert hätte, ja, hätte ich ihn nicht Stunden davor so zurechtgestutzt – und vielleicht, vielleicht habe ich ihm damit die Chance genommen, dass aus zwei Fremden zwei Bekannte geworden wären. Vielleicht wäre es auch nur ein netter Flirt gewesen. Nichts weiter, nichts schlimmes.

Danach sprachen wir auch darüber. Ich will ihm nichts kaputt machen – was ich auch sagte -, schließlich liebe ich ihn mit allen seinen Eigenheiten und all meinen Schwächen dabei, diese Liebe zu zeigen, ich will ihm nur helfen, damit er sich und andere nicht kaputt macht. So wie er mir jeden verdammten Tag geholfen hat, nicht kaputt zu gehen.

Letztlich bleibt folgendes: Menschliche Beziehungen sind kompliziert. Wir werden nicht glücklich, wenn wir alle Regeln immerzu einhalten, und wenn wir uns nie an sie halten, wird auch niemand froh.

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