Die persönliche Ebene des politischen Aktivseins.

Ich bin nicht politisch aktiv.

Das klingt komisch, so wie wenn Dich Erwachsene früher gefragt haben, ob du schon sexuell aktiv bist, damals, als du so 16 warst und schonmal geknutscht hast, aber alles andere dir nur durch den Kopf schwurbelte wie ein kleiner Helikopter. [Adjektiv] aktiv klingt so albern, als würde man einen Schalter umlegen und dann wäre da plötzlich alles anders. Dabei ist das – finde ich – eher ein Prozess. Man ist halt von allem ein bisschen aktiv, oft auch passiv und überhaupt, es gibt fast nie alles oder nichts.

Jedenfalls bin ich nicht so sehr politisch aktiv.

Wählen, jo, das mache ich. Und ab und an gehe ich auch auf eine Demo, die mich interessiert, oder sitze in einem Vortrag, der cool klingt. Manchmal, ja, manchmal schreibe ich mir sogar Notizen. Aber ich bin in keiner Partei und keinem Verein – ok, ja, seit kurzem in einer Gewerkschaft, aber das hauptsächlich aus Solidarität und so überhaupt nicht aktiv – und ich bin auch in keinem politischen Lesekreis oder in irgendeiner Gruppe. Manchmal, ja, da gehe ich auf die Montagsdemo gegen Hartz IV und Sozialabbau. Die Leute da sind ziemlich nett und man lernt mal die Welt außerhalb der eigenen, studentischen Filterblase kennen. Sie haben immer ein offenes Mikro und Ohr, und auch wenn ich manche Ansichten nicht teile, so ist es doch immer interessant. Manchmal, dann stammele ich auch etwas ins Mikro, aber meistens finde ich das nicht so wichtig, was ich sage oder denke. Die meisten aus der Gruppe haben noch andere Projekte. Manche sind in Parteien, manche in Vereinen, oft in mehreren organisiert, und oft gibt es Veranstaltungen, zu denen sie einladen. Das ist schön.

Aber ich bin nicht so politisch aktiv.

Ich gehe nur zu wenigen Veranstaltungen, eigentlich fast keinen. Dabei laden mich gerade Kommilitonen, die „politisch aktiv“ sind, oft ein. Hauptsächlich, weil ich irgendwo herumstehe, vorbeigehe oder mich in meiner Introvertiertheit pinguinhaft nähere. Komm dorthin, komm dahin. Wir haben diese Veranstaltung. Käme ich jeder Einladung nach, ich wäre wohl deutlich klüger, würde mehr Menschen kennen und letztendlich ein besseres Leben führen. Aber ich hätte wohl auch Burnout.

Ich finde das toll, wie Leute Veranstaltungen organisieren, sich für ihre Themen einsetzen. Aber ich mag es nicht, wie es gerade Kommilitonen machen, wenn solche Einladungen auf die persönliche Ebene gezogen werden – so, als wäre man zum Erscheinen verpflichtet. Und, kommunikationsunbegabt wie ich bin, kann ich nicht einfach „Nein, kein Bock“ sagen. Es tut mir leid, dass ich keine Zeit habe, nicht möchte oder mich ein Thema nicht interessiert. Denn meine Freunde interessiert dieses Thema sehr.

Vielleicht muss ich erwachsen aktiv genug sein, um souverän zu sagen, dass ich meine Zeit mit etwas anderem verbringen möchte. Dass ich, wenn mich etwas interessiert, gerne komme, aber nicht über eine Beziehungsebene dazu gedrängt werden will.

Aber, ich bin nunmal nicht so sehr erwachsen aktiv.

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