Spontandepressive Fünfminuten (Teil 27)

„Besser werden heißt, dass dein nächstes Scheitern größere Wellen ziehen kann.“ sagte ich einem Kumpel, als er mich – kaputt und müde – heimfuhr und ich meine Spontandepressiven Fünfminuten hatte. Ich kränkelte, ja, trotzdem hatte ich ihm bei einer Kleinigkeit geholfen, und aus irgendeinem Grund erklärte er mir, dass ich besser geworden sei – mit Werkzeug, mit Materialien, dass er mir inzwischen mehr vertraut und zutraut.

Ich blockte das ab. Ich weiß halt nicht, wie man Lob annimmt, und positive Gedanken passen nicht so gut in mein Weltbild, also – näh.

Also erklärte ich ihm, dass Vorankommen zu Aufstieg führt – also mehr Einfluss, mehr Risiko, mehr Verantwortung – und zwar solange, bis man seine Leistung nicht mehr verbessert. Somit sind alle, die in einem Betrieb angelangt sind, in irgendeiner Position, in aller Regel überfordert. Besser werden heißt auf höherer Ebene scheitern und mehr Unheil anrichten. Und nicht damit aufhören, bis man final am Zerstören gehindert wird; etwa durch natürlichen Tod oder ‚Tyrannenmord‘.

Normalerweise bin ich ja äußerst optimistisch und positiv gestimmt – Lüge? -, aber in diesen Minuten war alles schlecht und ich wollte einfach nicht mehr. Nicht mehr einschlafen, nicht mehr aufstehen, nichts mehr lesen oder schreiben, nicht sprechen, keinen Hammer halten, nicht hören, nicht weg- oder ankommen, und ein Atemzug, ja einer, dann hätte mir das auch gereicht.

Wenn ich gehen würde, bliebe nichts von mir. Das Haus, schräg und schief, an dem ich ihm geholfen hätte, würde zerfaulen und einstürzen. Nichts bliebe – und das sei gerade gut. Denn ich hinterließe nur Zerstörung und Leid in anderen Menschen und mir selbst (Wie gesagt, spontandepressive Fünfminuten).

Das war ziemlich unfair ihn so anzugehen, und es tut mir leid, und es wäre nicht sein Recht mich zu halten, wenn ich gehen wöllte, aber ich glaube ich lag falsch und wir (ich und er und mein Spontandepressives-Ich) kriegen das hin.

Die Fahrt endete, er hielt vor meiner Wohnung und sagte „Ich hoffe, du wirst bald wieder gesund.“, so freundlich es seinem Mund entweichen konnte, nachdem ich jedes Wort von ihm blockte. Ich deprimierte ihm entgegen „Ich hoffe nicht.“

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