Router in die Waschmaschine, Kochwäsche, Vollwaschmittel. Einmal Weißwaschen, bitte.

Fanpost nennt mein Schreibe eine „gewisse egozentrische Selbstdarstellung“. Eine andere Mail einer uralten Freundin erzählt davon, dass sie sich nun bewerben müsse und dass die kümmerlichen Reste, die noch von ihr im Internet zu finden sind – und auf die ich Zugriff hätte (näh?) – verschwinden sollen.

4639 Einträge gibt es von mir in diesem Internet (alle Blogs, die ich verantwortet habe, eingerechnet). Tendenz steigend. Dazu weit über 3000 Tweets, vermutlich tausende von Kommentaren, über 2000 Fotos bei Flickr, Milliarden von Datensätzen bei diversen Firmen, Geheimdiensten, Behörden, Privatleuten. Ich existiere in den Archiven irgendwelcher Dozenten, bei denen ich irgendein Seminar belegt habe zu irgendeiner Zeit – und der unabgeholte Schein liegt wohl auch noch irgendwo. Die Anstrengungen, das „ungeschehen“ zu machen, ist beinahe nicht zu schaffen. Datensparsamkeit, my ass. Ich existiere auch in der Erinnerung meiner Mitmenschen – und kann nichts dagegen tun.

Ist es interessanter, ein unbeschriebenes Blatt zu sein, ogooglebar, oder ist es nicht auch ganz ok, in dieser Welt zu existieren und gelebt zu haben? Ich fühle mich heute nicht mehr wie ein Buch voller leerer Seiten. Nicht wie eines dieser ekligen Notizbücher, in das die Leute irgendwelche Wichtigkeiten schreiben wollen – und sich dann nicht trauen. Viel mehr sehe ich mich als ein mittelalterlicher Roman. So oft beschriebene Seiten, abgekratze Tinte, ohne Sicherheit, ob eine Aussage wirklich so gemacht wurde, beabsichtigt war. Ich finde meine Schreibe nicht wichtig, oder sinnvoll, sie ist halt da. Notiert auf einem Einkaufszettel, weggeworfen, wiederverwertet.

Ich will nämlich kein langweiliges Fotoblog machen, damit ich irgendwelchen Arbeitgebern gefalle, ich will nicht die „beste Version meines Selbst“ nach außen darstellen. Rotzig und verwirrt, vertippfehlert, das gehört auch dazu. Gelogen, verschleiert, ungenau, das will ich sein. Ich will rauschen. Das Sample in deinem Kopf werden, auf den du deinen ersten Hit schreibst. Los. Ich warte hier.

Damit lassen sich neue Dinge formen. Wenn du jetzt gerade da sitzt und denkst, „Scheiße, na so könnte ich auch schreiben“, dann mach’s. Shit, wir sind hier nicht zum Spaß. Das hier ist harte Arbeit. Schlechtes Schreiben, rotziges, widerliches Wort-Reihen ist auch Arbeit. Ich schreibe in der Hoffnung, dass du das auch tust. Alleine ist das nur Geplapper, zusammen ergeben wir das schönste Rauschen, dass die Welt kennt.

Und ja, deine Mutter findet diesen Eintrag doof. Ich ja auch.
Und ja, vermutlich wird mir jemand irgendwann etwas vorwerfen, was ich vor Jahren schrieb. Aber davor habe ich keine Angst mehr. Denn in den Meeren, die ich schrieb, findet sich zu allem etwas, das man zu meinen Ungunsten auslegen kann. Das ist völlig ok.
Und ja, wer dich mit Scheiße bewerfen möchte, der nimmt diese zuerst einmal in seine eigene Hand.

Eine Antwort auf „Router in die Waschmaschine, Kochwäsche, Vollwaschmittel. Einmal Weißwaschen, bitte.“

  1. Unter uns, diese ganze „lösch mich aus dem Internet“-Nummer ist nur großer Murks. Und wie bei jedem Murks gibt es schon viele Firmen, die daran verdienen. Ausgedacht haben sich das halbwissende Berater, die mal irgendwann von irgendeinem (Einzel-)Fall gehört haben. Meiner Erfahrung nach googeln die wenigsten Personaler ihre Kandidaten, nicht mal die, die zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen sind. Ausnahmen sind vielleicht webaffine Unternehmen, aber auch dort tun das längst nicht alle. Und abgesehen davon, bedeutet eine „weiße Weste“ für erfahrene Leute doch nur, dass der Kandidat a) null Interesse fürs Internet hat (und damit auch für Innovationen) oder b) ziemlich gut darin ist seine Spuren zu löschen.

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