Warum nehmt ihr nicht auch jemand auf?

Shit. Ich kann ja viel reden, darüber, wie dämlich ich die Gut-Situierten finde, die sagen „Natürlich sollten wir Flüchtlinge aufnehmen, aber doch nicht hier!“. Weil hier keine Strukturen wären, lügen sie dann in die Kamera eines sich für politisch korrekt haltendes Journalistenteam, oder dass der Wert der Gegend fallen würde, oder dass sie Angst vor Kriminalität und den fremden Kindern haben. Zäunen wir unseren Spielplatz ein, gründen wir eine Bürgerinitiative. Nein, mit der NPD wollen wir natürlich nichts zu tun haben.

Jedenfalls las ich heute, mehr zufällig als Absicht, ein wenig auf www.fluechtlinge-willkommen.de von einer Idee, die ich zugleich sehr großartig und sehr beängstigend finde.

Großartig ist schnell erklärt: Alle Aktionen, die Flüchtende und neue Mitbürger_innen willkommen heißt und uns hilft, mehr eine Gemeinschaft zu werden, ist erstmal ziemlich cool. Die Idee an sich ist in ihrer Einfachheit und Durchsetzbarkeit genial.

Der Part mit beängstigend dagegen lässt mich vor mir selbst Ekel empfinden. Denn ich möchte Niemanden aufnehmen, weil ich generell nur sehr wenige Menschen überhaupt leiden ertragen kann und mir ein zusammenwohnen hier nur sehr schwer vorstellen kann. Das macht mich natürlich zu einem schlechten Mensch. Aus linker Sichtweise wohl irgendwo zwischen CSU und AfD angesiedelt. Und das hasse ich an mir selbst.

Dabei gibt es vernünftige Argumente gegen eine solche Initiative. Erstens treffen wir hier erneut auf das Tafelproblem. Aufgaben des Staates/der Gemeinheit sollten nicht von einzelnen in „Großzügigkeit“/“Nächstenliebe“ übernommen werden. Der Staat darf sich aus diesem Bereich nicht zurückziehen können – wie er es aktuell tut. Wo Platz für Luxuswohnungen ist, muss auch Platz sein für Sozialwohnungen und Wohnungen für Flüchtlinge. Sollte das Modell „WG mit Flüchtling“ tatsächlich so erfolgversprechend sein, wie es auf den ersten Blick wirkt, so darf die Finanzierung nicht über die „Gutmütigkeit“ Einzelner geschehen – auch nicht über Kleinstbeträge oder ähnliches. Das ist nur Umverteilung unter den Armen. In dem wir unsere Eltern und Freunde anpumpen, retten wir nicht die Welt – auch nicht die eines Einzelnen – sondern verteilen in der Regel nur von Arm zu Noch-Ärmer um – und die Miete kassiert am Ende der Immobilienbesitzende… Hm.

Trotzdem fühlt sich das alles wie eine Ausrede an. Denn Fakt ist: Auch wenn ich für gute Dinge argumentiere, tue ich doch sehr wenig. Auch wenn ich glaube nicht allzu sehr durch mein Dasein zu schaden, so bin ich doch mitverantwortlich dafür, dass Menschen aus ihrer Heimaten fliehen müssen – und wenn sie dann nach unvorstellbaren Strapazen hier ankommen, dann nehme ich sie nicht in mein Zuhause auf. Dabei lebe ich auf luxoriösen 17qm, könnte locker noch ein Bett unterbringen und auch in der WG-Küche und im Bad wären Platz, um Wohnraum zu teilen.

Warum nehme ich also niemand auf? Weil ich feige bin, nicht zu meinen Vorsätzen stehe, weil ich viel fordere und nichts leiste. Ich bin nicht besser als einer der NPD-Nasen, als einer der Lokalpolitiker, als einer der Sicherheitsleute, die andere Menschen demütigen. Mein Verbrechen ist es, nicht zu helfen.

Aber ich sehe nicht, dass sich mein schlechtes Verhalten ändern würde.

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