Im Namen eines Fremden

„Ich hab schon so oft eine Faust ins Gesicht gedrückt gekriegt, dass es mich mittlerweile ungefähr so juckt wie’n Mückenstich.“ (Koljah & NMZS: Antikörper)

Es ist acht Jahre her, dass ich das letzte mal meinen Namen googelte. Damals schrieb ich einen Blogeintrag darüber, was für Sebastian S.‘ es so gibt, ein Kreisbaumeister, jo, einer aus Rommerskirchen, usw. Der Text damals war banal und nebensächlich – so wie mir dieser Text banal und nebensächlich im Jahr 2022 vorkommen wird -, weshalb ich ihn irgendwann beim Umziehen einmal quer durchs Internet privatisierte.

Heute, mit den „neuen“ Möglichkeiten, lassen sich noch viel mehr Namensvetter finden. Doch irgendwie… traue ich mich nicht so recht, mit ihnen Facebookfreundschaften zu schließen oder mal Schnitzelessen zu gehen. Denn ich hab‘ Angst dass du was Dummes sagt, das mir nicht gefällt. So findet sich etwa ein Sebastian S.‘, der mit – ich vermute mal – seinem Lebensabschnittspartner posiert (cute!), „Scandinavia and the World“-Comics verbreitet, Facebook-Spielchen spielt und … Postings der Jugendorganisation der AfD teilt (Seufz). Ein anderer zockt Halo, wieder ein anderer steht auf Taekwondo.

Ich frage mich, wie ich in diese Reihe passe. Was denken der Kreisbaumeister oder der Halo-Zocker, wenn sie ihren Namen googeln und mich finden? Vielleicht dieses Blog lesen, wenn bei einem Vorstellungsgespräch gefragt wird, was sie im Internet so treiben? Vielleicht, in dem ich hier so offen stets über mein Leben schreibe, lege ich den anderen Steine in den Weg.

Aber… andererseits… das von mir erzeugte Rauschen übertönt jede eurer Peinlichkeiten. Und meine Peinlichkeiten – wie damals der Bug-Report in der Tageszeitung oder wie mich Marcel Wichmann (zurecht) als strunzdumm bezeichnete – stören mich längst nicht mehr.

Vielleicht spielte einer der anderen Sebastian S.‘ auch schon dieses Spiel und fand dann – nach ein bisschen lesen – einen guten Grund, mich nicht zu kontaktieren. Vielleicht bin ich ihm zu weinerlich oder ich denke zu viel nach oder ich bin zu jung oder zu alt. Vielleicht ist aber gerade das, was ich nicht cool finde und mich abhält, mal „Hej“ zu sagen, das, was jene andere davon abhält, mir zu schreiben.

Vielleicht – und ich lege mich jetzt darauf fest, dass die anderen Sebastian S.‘ mein ständiges „Vielleicht“ nervt – gäbe es auch außer „Cool, du hast den gleichen Namen wie ich“ einfach nichts einander zu sagen. Was zu Schulzeiten noch für langfristige Freundschaften reichte („Du heißt auch Karl?“ „Ja!“ „Cool, lass uns immer zusammen sitzen!!!“) ist heute nicht einmal mehr genug für eine Mail.

Vielleicht ist das aber auch gut so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.