Wenn ich sag was ich denk‘ bekomm ich Post von den Bull’n. (3)

Unser Bürgermeister sagte kurz vor der Europawahl etwas über „AfD-Nazis“ und wurde prompt dafür angezeigt (laut Tagblatt zweimal, laut der AfD „mindestens 17“-mal.) Gegen Zahlung von 3000 Euro wurde das Verfahren eingestellt. (Ausführliches im Tagblatt). Dass OB Neher ‚verloren‘ hat freut die AfD und deren Anhänger, und so standen heute (17. Januar 2015, Samstagsausgabe) auch zwei Leserbriefe drin, die … ich so nicht stehen lassen wollte. Einer davon stammt von Horst S[.] (Der Name steht in der Zeitung), und darauf habe ich versucht zu antworten.
Er schrieb unter anderem davon, dass sich OB Neher entschuldigen solle für seine Aussage oder – wenn er das nicht tut – zurücktreten. Die letzte, mit Ausrufezeichen beendete Forderung Horst S[.]s, habe ich für meinen Leserbriefentwurf bewusst falsch verstanden. Außerdem zitiere ich recht viel daraus (Anführungszeichen) und äußere meine ehrliche Angst.

Entwurf für einen Leserbrief vom 17. Jänner 2015.
Nazis sind nicht nur „jene Mörderbanden, die“ vor 60+ Jahren „durch Europa zogen und Millionen von Menschen“ töteten, wie Horst S[.] schrieb, sondern auch jene deren offiziellen und inoffiziellen Nachfolger, die durch ihr Handeln Menschen anderer Glaubensrichtungen, anderer Herkunft und Ansichten diffamieren, töten, verletzen oder misshandeln oder das politisch fordern und fördern. Dabei sind ‚Rechtsstaat‘ und ‚Presse‘ für sie so lange ‚gut‘ und ‚fair‘, wie sie einem selbst nützen. Ob „geregelte Einwanderung“ konkret bedeutet zu entscheiden, wer ‚leben darf‘ und aus Kriegs- und anderen Notsituationen ‚gerettet‘ wird, und wen wir ‚verrecken‘ lassen; ob „genug vom Euro-Wahn“ und „solide Finanzpolitik“ eine (noch weitere) (europäische) Ent-Solidarisierung bedeutet, das musst du, liebe_r Lesende_r, selbst entscheiden. Mir fehlt es an finanziellen Rücklagen zu einer ehrlichen, freien Meinungsäußerung. Auch für meine Ansicht zu S[.]s Forderung, OB Neher möge sich zusätzlich für Godwin’s law entschuldigen, bekäme ich wohl „mindestens 17“-fach Post…
Nun. Ich formuliere daher vorsichtig: Findest du, Herr S[.]s öffentlicher Aufruf zu körperlicher Gegengewalt („Andernfalls treten Sie zurück!“) ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt? Ich … weiß das vorsichtshalber besser nicht.

Horst S[.]s Leserbrief ist leider nicht online verfügbar und mein Leserbrief wird wohl auch nicht von mir ans Tagblatt geschickt werden. Weil ich Angst habe davor, wenn meine Worte wieder auf Küchentischen und in der Redaktion des Tagblatts liegen. Außerdem klang die Zusammenfassung des vergangenen Jahres in Leserbriefen (der Artikel sitzt hinter einer Paywall. Doof.) nun nicht unbedingt so, als wäre man allzu froh, den Leserinnen und Lesern diese Bühne bieten zu müssen.

Also… wieder nur im Blog. Wieder von Anfang an so bedeutungslos, wie die Zeitung vom Vortag.

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