Kein Augenblick mehr ohne das Gefühl von heute Morgen

Wann hattest du das letzte mal ein Gefühl, das du festhalten, tief in dir drin haben wolltest, von dem du dachtest: Das will ich jetzt immer spüren?

Ich will hier gar nicht von „Schmetterlingen im Bauch“ erzählen – ob ich dazu überhaupt fähig wäre werden ehemalige Partner_innen sicherlich verneinen -, sondern von kleineren, nicht jedoch unwichtigeren, Dingen.

Wann z.B. wolltest du eine Serie, ein Buch, einen Text in einem Zug lesen? Konntest nicht erwarten, weiter zuschauen, weiter mitzuleben? Vieles, was ich heute sehe oder lese, ist nicht dafür optimiert, geliebt zu werden, sondern für andere Dinge. Dafür, dass sich daraus weiteres Kapital schlagen lässt – Actionfiguren, T-Shirts, Teetassenbriefbeschwerer, Laserkanonen -, oder fürs Reden darüber oder Twittern dabei. Popkultur knuddelt dich nicht mehr, reicht dir keine Hand mehr. Sie ist statt dessen jetzt „social“.

Vielleicht verbittere ich gerade etwas. Ich lese immer noch gerne, aber es gibt nur noch wenig von dem ich mich gerade begeistern lasse. Gerade auch nicht von Uniangelegenheiten. Aus Gründen begeistert mich auch kein Diskurs mehr, keine Lesendenbriefe, kein guter Tweet – und wenn doch wäre er doch eh viel zu schnell vorbei.

Nichts konnte mich abseits der Realität wirklich zum Denken bringen. Das Fiktionale enttäuscht mich. Jetzt gerade. Auch das, was ich selbst schreibe. Auch das, was ich rein aus Freude lese. Meine Ansprüche sind zu hoch? Vielleicht. Ja, es kann sein, dass ich etwas zu vermissen glaube, was nie war. Dass ich Sehnsucht habe nach einem nicht existierenden Ort oder einer nicht existierenden Zeit.

Vielleicht ist es aber auch genau das, was ich misse aber ohne das ich keinen Augenblick mehr will. So eine Art Begeisterung… eine .. Liebe?

3 Antworten auf „Kein Augenblick mehr ohne das Gefühl von heute Morgen“

  1. Ich dachte immer die Fiktion sei irgendwann erfunden worden (komischer Satz), weil man der Realität etwas entgegensetzen sollte. Fiktion soll ablenken, erfreuen, ruhig stellen, anregen – geliebt werden kann sie aber tatsächlich nur, wenn sie wirklich, wirklich gut ist. Wobei mir da auch so meine Zweifel kommen. Liebe ist unterm Strich doch so ein verdammt großes Wort.

    1. Liebe ist tatsächlich ein zu großes Wort, daher auch mit Fragezeichen.

      Interessante Frage, die du hier aufwirfst: War zuerst die Realität oder die Fiktion da und warum entstand die jeweils andere? Ich würde ja behaupten, dass mit der Vermittlung der Realität automatisch Fiktion entstehen muss, aber wozu Realität vermitteln wollen? Ist jedenfalls eine sehr interessante Fragestellung, für die sich eine längere Diskussion oder auch ein längerer Blogeintrag lohnen würden… :)

      1. Na ja, die Realität war schon zuerst da. Allein weil ich glaube, dass die Fiktion zwingend auf die Realität angewiesen ist, weil sie nicht aus sich selbst heraus entstehen kann. Sie braucht die Realität als Grundlage und sei es nur, um weitestgehend von ihr abzuweichen. Das ist wie man Gut schlecht definieren kann, wenn man nicht auch Böse in die Argumentation mit einbezieht.

        Aber im Prinzip enthält ja auch schon jedes Neuerzählen der Realität einen gehörigen Schuss Fiktion. Das fängt schon bei der Auswahl dessen an, was wir überhaupt weitererzählen. Und ich glaube, dass jedes Erzählen der Realität zumindest unterbewusst eine Fiktion vom Erzähler mitbekommt, selbst wenn er versucht objektiv zu sein.

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