Waltraud W. Wir Kinder vom Bahnhofsblog.

Wie bereits erwähnt schrieb mir eine ehemalige Freundin, zu der schon seit mehreren Jahren keinerlei Kontakt bestand, ich solle doch Bilder von ihr, die recht hoch in der Googlesuche auftauchen, löschen.

Damals behauptete ich eingeklammert, ich hätte darauf keinen Zugriff. Das war nur so halb richtig gelogen.

Ich hatte die Möglichkeit die beiden Bilder zu ‚löschen‘, auch wenn es wohl unmöglich ist die einmal aus der Tube gedrückte Zahnpasta wieder einzupacken, aber zumindest ein Teil scheint dadurch gerettet.

Zuerst wollte ich ein bisschen sauer auf sie sein. Einfach, weil ich es könnte. Mir einfach aus dem Nichts zu schreiben – wenn auch in sehr freundlichem, unpersönlichen Ton -, empfand ich als ungerechtfertigt. Ich imaginierte, dass sie damals damit einverstanden war, dass diese Bilder – es sind völlig banale Aufnahmen – dort hochgeladen wurden. Wir nutzen diese Community und so war das halt.

Inzwischen – ich habe immerhin drei Monate ins Land gehen lassen, bis ich mich traute in einem mutigen Moment ihr sachlich-abgehackt zu antworten – wird mir immer klarer, was ich damals als junger Mensch durch das Upload-Button-Klicken eines Fotos einer Person tat, die nicht ich war. Ich habe damit Macht über ihren Körper ausgeübt – ungefragt, ungewollt, ohne Nachfrage oder Erlaubnis -, es ist – auf einer gewisse Art – eine Vergewaltigung. Sicherlich keine, die zur Anzeige gebracht würde, oder eine, die dieses Wort nicht banal klingen lässt, irgendwie aus dem Kontext … deletet.

Ich habe ihr Recht gebrochen, nicht online stattzufinden.

Die Rechtfertigung lautet wohl irgendein paar hohle Phrasen vonwegen „war jung & unreflektiert“ und „Sie fand ja als Person ebenfalls in der Öffentlichkeit des Internets statt“ (=Sie bloggte) und natürlich „Das tut mir alles sehr leid“.

Ihren Wunsch nicht gefunden zu werden; nicht diskutiert zu werden (Oops!), kann ich zwar nicht nachvollziehen, dennoch muss ich das respektieren. Auch wenn Sie sich erst später dazu entscheidet. Auch wenn sie mich verletzt hat.

Ich habe keinen Grund auf sie sauer zu sein. Oder beleidigt. Aber da blutet wieder eine Wunde, die lange verschlossen war, und ich hatte mich so anstrengen müssen, nicht selbst daran zu kratzen.

[…]

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