Du tippst nervös auf deiner Tasturette, du hast das schreiben wieder angefang‘, du fragst mich nach meinem Befinden, wie du siehst ist’s mir gut ergangen.

Eigentlich wollte ich nicht mehr schreiben. Weil es nichts nützt und ich nicht öffentlich passieren will, in einer Filterblase, die nicht aus Interessierten, sondern aus Abo-Nicht-Abbestellern besteht. Außerdem hatte man mir verständlich gemacht, dass man eigentlich keinen Bock hat, meine Leserbriefe zu drucken. Wozu auch. Lenkt nur von den Anzeigen ab. (Verzeihung, das war polemisch.)

Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es nicht gewollt ist, dass es nichts bringt. Zumindest anderen nichts. Mir selbst war es immer heilsam. Morgens Zeitung lesen, frühstücken, schreiben. Halbe bis Stunde, um richtig wach zu werden, auch im Kopf. Gedanken verständlich machen, mit Zeichenbegrenzung leben, und halbwegs interessant klingen. Gemäßigt sein, auch wenn ich mal wütend wäre.

Niemand liest meinen Blog. Und es ist mein Lieblingsblog. (Jaja, Egozentrik, bla blah) Aber erschreckend viele – mindestens drei (!) Leute – lesen meine Leserbriefe und sprechen mich darauf an. Loben, so als hätte ich etwas richtiges gesagt (habe ich nie, werde ich nie.), oder nennen mich Feigling oder dergleichen.

Dabei schreibe ich Banalitäten, damit ich wach werde. Und Annette W.-M., unsere hiesige Bundestagsabgeordnete, sagte, wir sollten Leserbriefe schreiben. Irgendwie hatte sie ja recht damit. Filterbubble durchbrechen, Fragen und Diskussionen aufwerfen, Stellung beziehen, sich zusammen tun. Sie will auch das wir demonstrieren, mit unseren Forderungen zu ihr kommen, all sowas.

Am 10. Dezember 2014 schrieb ich einen Leserbrief, in dem ich kritisierte, dass durch die in einem Artikel verwendete indirekte Rede (also Redewiedergabe über Konjunktiv I) eine – vielleicht nicht beabsichtigte – Distanzierung erfolge und das gerade bei Aussagen, die auf ihre Richtigkeit überprüfbar wären. Natürlich ist indirekte Rede gängige Praxis und daran ist nichts auszusetzen. Ich wunderte mich nur, dass ausgerechnet diese Sätze indirekt zitiert wurden. Durch die indirekte Rede klangen sie, als wären sie vielleicht richtig, vielleicht nicht.

Vielleicht schrieb ich das nicht ausreichend deutlich, vielleicht war ich zu emotional involviert und zu grob, aber in einer Antwortmail des Chefredakteurs berichtigte er meine Fehler und sagte, ich solle den Leserbrief umschreiben oder zurückziehen. Ich tat letzteres. Mit einem sehr komischen Gefühl.

Und dann Selbstzensur, Ausbrechen aus liebgewonnenen Angewohnheiten und viele, viele unabgeschickte Texte. Und das komische Gefühl blieb. Ich konnte es halt nicht lassen. Aber ich wollte nichts veröffentlicht wissen – nicht dort, nur hier, wo ich mich einkuscheln konnte und meine Worte nicht durch fremde Überschriften umgedeutet werden konnten; -blog statt -blatt, lieblings- statt tag-; sowas halt – ich hatte Angst vor den Leuten und Angst, Recht haben zu wollen; Angst, dass man mich auf irgendetwas anspricht, statt zu schreiben. (Ich bin nicht so gut im Sprechen.)

Am 23. Januar 2015 schickte ich zum ersten mal wieder einen Brief ab. Und dann wieder und wieder und wieder. Aber die Briefe waren anders. Weniger Protest, weniger Getose, weniger Belehrend (ok, der letzte Punkt ist gelogen). Viel vielleicht, viel Nachdenken, viel Banalität. Schüler_innen Mut machen für die Zukunft, ein bisschen skandinavische Sprachen, seichte Kritik, seichtes Lob, ein bisschen Angst und Zeugs. Nichts bedeutsames, nichts lautes, ich halte mich weitgehend zurück. Wenn nur positive Worte über die Zeitung. Und die Leute. Ein bisschen Politikerverdrossenheit, aber das ist uns ja schon so banal wie eine Klospülung.

Aber.. das ist vielleicht auch egal…

(In einem Artikel über die 2662 Leserbriefe im Jahr 2014 hieß es: „Dafür war es dann aber eine Frau, die zuerst das Jahreskontingent von 15 Leserbriefen erreichte, und zwar bereits Anfang Oktober. Mit ihr waren es elf Vielschreiber, darunter zwei Frauen.“ Ich habe mir vorgenommen, halb im Witz, halb im Ernst, dieses Jahreskontingent schon im Februar zu erreichen. Ob das klappt? Und ob die Regionalzeitung eine schwarze Liste hat? Und vor allem: 15 veröffentlichte Leserbriefe, oder 15 abgeschickte?)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.