Kriminalität ist Kapitalismus

Bei einem Moderator einer Millionen-Gewinn-Sendung, der nun für die ARD talkt, sitzen Vertreter einer Millionenindustrie, die von unserer Angst lebt, ebenso wie ein Bundesinnenminister, der die anlasslose Überwachung von Millionen von Bundesbürgern zulässt, aber die Bürger davor schützen will, dass Einbrecher_innen die Unterwäscheschubladen seiner Bürger_innen durchwühlen und so in ihre Privatsphäre eindringen.
Ich sträube mich gegen den Gedanken, dass es Menschen gebe, die böses aus böser Absicht tun, weil sie böse sind. Es wäre verkürzt zu behaupten, die Gesellschaft wäre das Verbrechen, und es wäre verleugnend zu behaupten, dass es einen letzten Grund für kriminelles Handeln gäbe und dass wir, wenn wir eine Sache ändern, plötzlich alles gut machen könnten. So ist es, bedauerlicherweise, nicht. Aber ich halte es ebenso für höchst verwerflich zu glauben, dass die meisten Menschen, die schlechte Dinge tun, diese Dinge tun, weil sie schlechte Menschen seien. Viel mehr glaube ich, dass viele schlechte Dinge durch einige Grundgedanken unserer Gesellschaftsformen, durch Zielsetzungen und Förderungen Aufschwung erhalten, während eigentlich positive Dinge aufgeschoben werden. So sehe ich Kriminalität, sei es die Herstellung und der Verkauf von Drogen, der Handel mit Waffen oder gar Menschen, ebenso wie Einbrüche, Hehlerei und Steuerhinterziehung als Teil einer Kultur, die solches Verhalten befördert. Wo Gewinnen und Überlegenheit vergöttert werden und Profitstreben als etwas normales, ja wünschenswertes, gesehen wird, kann nur Kriminalität entstehen. Denn Kriminalität ist genau das: Gewinnstreben ohne Rücksicht auf Gesetze, auf Mitmenschen, auf Moral oder Richtig-Falsch.

Es ist etwas zutiefst perverses daran zugleich den Menschen einzutrichtern, es ginge nur um den eigenen Erfolg und sich dann zu beschweren, dass es Menschen gibt, die dies auch befolgen.

Verbrecher handeln auch nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip. Sie wissen, dass sie aufgrund ihrer Herkunft usw. mit einer „ehrlichen Arbeit“ keinen vernünftigen Lebensunterhalt erreichen werden oder zumindest einen deutlich geringeren, und handeln deshalb Gesetzwidrig. Ebenso sind Steuerhinterzieher_innen keine per se schlechten Menschen. Sie handeln nur so, wie es für sie am Besten ist. Und uns wurde eingetrichtert: Wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht.

Wie in jedem Bereich gibt es aber wohl auch unter den Straffälligen einen gewissen Anteil, die dies aus einer inneren Motivierung tun, also aus Freude am Verbrechen. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Leute sich nicht mit Enkel-Tricks, Beschaffungskriminalität oder Einbrüchen aufhalten. Terrorismus, als extreme Form der Kriminalität, ist so gesehen auch ein Wettbewerbsinstrument. Was nicht mehr durch Aktienhandel, Umstrukturierungen oder Feindliche Übernahme zu regeln ist, wird durch die Ausstattung und Verbrüderung mit Gegnern deines Feindes erfüllt. Terrorismus als Marketinginstrument. Mir wird ganz schwindlig bei dem Gedanken.

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