Beiläufige Erwähnung des Lebensabschnittspartner

Wer mit Menschen spricht, die in Beziehungen sind, aber wie Max Herre ihren Ring an einer Kette tragen oder keine solche Symbole haben, der wird irgendwann beiläufig erzählt bekommen, dass da ein Partner/eine Partnerin ist.

Das ist nicht böse gemeint, oder abweisend, es soll auch keine klaren Verhältnisse schaffen oder jemandem bedeuten, dass man kein partnerschaftliches Interesse hat. Diese, oft besonders betonte, aber äußert schlecht ins Gespräch eingebundene Erwähnung dient dem Ausdruck einer Angst. „Hej, liebe_r Mensch, mit dem_der ich gerade rede: Bitte bitte hab kein Interesse an mir!!!“ – das ist die fürs eigene Ego unschmeichelhaftere Auslegung -, die schmeichelhafte lautet „Ich hab gerade ein sehr schönes Gespräch mit dir und bekomme ein bisschen Schuldgefühle, weil ich vielleicht unbeabsichtigt meinen Beziehungsstatus verschwieg.“ – wobei ich hier Schuldgefühle mit einer Angst vor einem gerichtet werden gleichsetze… Aber hej, dieser Eintrag wird eh nur 308 Worte haben.

Ich selbst bin bei sowas ja komisch. Ich kann nämlich nicht so gut mit Menschen reden, bin ausgesprochen schlecht darin nettes zu sagen, und ich komme selbst kaum mit den Beziehungskonstrukten klar, in denen ich „mein Freund“ oder gar „fester Freund“ genannt wurde, wie soll ich dann die Beziehungen anderer Leute verstehen? Soll man nach so einer beiläufigen Erwähnung das Thema weiter ignorieren oder ein paar Fragen zum_zur Partner_in stellen? Mit den meisten Leuten, die ich kenne, möchte ich nämlich eigentlich nicht so genau bekannt sein, dass ich weiß, mit wem sie ein Bett teilen – oder was auch immer.

Ein offen und ehrliches „Hast du gerade mit mir geflirtet?“ wäre mir manchmal lieber. Ich könnte dann – in 95% der Fälle – verneinen, und bei den 5 von 100, bei denen ich das doch tat, könnte ich fragen, ob ich das lassen soll.
Wir sind alle erwachsen geworden, irgendwie, warum sollen wir dann nicht halbwegs ehrlich zueinander sein können. Oder stört das diese dämliche „Romantik“, von der immer alle reden?

[…]

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